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Faktencheck
Geprüft: Die Angaben zum Panel stammen aus dem Bericht von CasinoNoticias vom . Den Glücksspielstaatsvertrag haben wir im Wortlaut über das Rechtsportal BAYERN.RECHT geprüft, das spanische Real Decreto 958/2020 im Staatsanzeiger BOE, die Virtuelle Automatensteuer im Rennwett- und Lotteriegesetz, die Zahl zur Razzia in der Mitteilung der GGL. Ditsches Rechnung zur Steuer stammt aus einer eigenen Videoaufnahme des Panels vom 30. September 2026, die wir transkribiert und übersetzt haben. Die Angaben zur Keynote mit Michael Jordan stammen aus der Pressemitteilung des Veranstalters. Andreas Ditsche hat seine Antworten vor der Veröffentlichung freigegeben. Sie geben seine Einschätzung wieder. Stand:
Wer ist verantwortlich für einen Spieler, den ein Affiliate zu einem Online-Casino schickt? Um diese Frage ging es am 30. September beim SBC Summit in Lissabon. Das Panel hieß „Profit vs Protection: The Grey-Market Tightrope for Affiliates“. Neben Andreas Ditsche saßen Floris Assies (Better World Casinos) und Nemanja Lazarevic (Agentur Teamwork) auf dem Podium, moderiert von Aminata Diallo (Afiliapub).
Den Ausgangspunkt hat im Saal niemand bestritten. Seiten ohne Lizenz holen sich weiter einen großen Teil des Traffics. Der Graumarkt zahlt Affiliates kurzfristig mehr. Das spanische Branchenmagazin CasinoNoticias hat das Panel ausführlich aufgeschrieben und Ditsche als den Teilnehmer mit der deutlichsten Position beschrieben. Wir wollten wissen, was diese Position für Deutschland bedeutet. Und für casino.de selbst.
Der SBC Summit lief vom 29. September bis 1. Oktober 2026 in Lissabon. Eröffnet hat ihn Michael Jordan: In der Keynote „Leadership in Sports Business“ sprach die Basketball-Legende mit Sportradar-Gründer Carsten Koerl und DraftKings-Chef Jason Robins, so die Ankündigung des Veranstalters.

Ein Affiliate ist eine Vergleichs- oder Testseite, die Spieler an Glücksspielanbieter weiterleitet und dafür eine Provision bekommt. casino.de ist so eine Seite. Graumarkt nennt die Branche Anbieter, die in einem Land um Spieler werben, ohne dort eine Erlaubnis zu haben.
Wer ist verantwortlich, wenn ein Affiliate Spieler vermittelt?
Christian Ott: Andreas, die Frage des Panels war, wer für den Spieler geradesteht, den ein Affiliate vermittelt. CasinoNoticias schreibt, du hättest am deutlichsten geantwortet. Was hast du gesagt?
Andreas Ditsche: Dass ein Gesetz für ein Unternehmen so wenig verhandelbar ist wie ein Verkehrsschild. Ob man sich an die Regeln hält, entscheidet man, wenn man ein Geschäft aufbaut. Nicht erst, wenn sich das Gesetz ändert oder die Aufsicht anklopft.
Für den Spieler heißt das: Solange er auf unserer Seite ist, tragen wir Verantwortung für ihn. Wir sind aber weder Gesetzgeber noch Staatsanwalt. Sobald er beim Anbieter ist, haben wir keine Mittel mehr, ihn zu schützen.
Christian Ott: Was bleibt dann für den Affiliate zu tun?
Andreas Ditsche: Informieren. Die echten Bedingungen eines Angebots erklären, auf Einzahlungslimits und die Selbstsperre über OASIS hinweisen. Und nichts versprechen, was ein Produkt nicht hält. Darin waren wir uns auf dem Podium übrigens alle einig.
Was kostet es, auf den Graumarkt zu verzichten?
Christian Ott: casino.de führt nur legale Online-Casinos mit deutscher Erlaubnis. Was kostet uns das?
Andreas Ditsche: Umsatz. Im Graumarkt sind die Margen kurzfristig höher. Ein Anbieter ohne deutsche Erlaubnis bekommt bei uns trotzdem keine Note und taucht in keinem Vergleich auf, egal wie gut sein Angebot aussieht. So steht es in unserer Bewertungsmethodik.
Das ist ein kommerzielles Opfer. Es ist unser eigenes Risiko und niemand nimmt es uns ab, weder der Anbieter noch der Gesetzgeber. Angst ist dabei kein guter Ratgeber.
Christian Ott: Aminata Diallo hat auf dem Podium beschrieben, wie Affiliates nach einer Gesetzesänderung allein dastehen. Manchmal bleiben ihnen 24 Stunden, sonst ist der Traffic weg. Müssten die Anbieter da nicht helfen?
Andreas Ditsche: Jeder führt sein eigenes Geschäft. Von einem Geschäftspartner kann man nicht erwarten, dass er das Risiko eines anderen trägt. Wer in einem Markt arbeitet, der gerade reguliert wird, plant die Regulierung von Anfang an ein. Oder er erlebt sie später als Notfall.
Warum drückt Graumarkt-Umsatz den Wert eines Affiliates?
Christian Ott: Du begleitest seit Jahren Firmenkäufe und -verkäufe. Was sagt ein Käufer zu einem Affiliate, der mit dem Graumarkt verdient?
Andreas Ditsche: Meistens nichts, weil er gar nicht erst kommt. Ein Affiliate-Geschäft, das seinen Umsatz im illegalen Markt macht, findet kaum einen Käufer. Die wenigen, die sich melden, will man nicht am Tisch haben. Wer mit Anbietern ohne Erlaubnis verdient, senkt also den Wert seines eigenen Unternehmens.
Warum werben so viele Seiten trotzdem für Casinos ohne Lizenz?
Christian Ott: In Deutschland ist Werbung für unerlaubtes Glücksspiel verboten. Trotzdem schlägt Google bei der Eingabe „wettanbieter“ als Erstes „ohne OASIS“ vor, das haben wir im Oktober gemessen. Warum lohnt sich das Geschäft noch?
Andreas Ditsche: Weil es sich kurzfristig rechnet. Floris Assies hat das in Lissabon gut beschrieben: Das Problem ist der Anreiz, nicht der Charakter. Wenn Spielerschutz kein Geld bringt, ist der Anreiz klein, ihn ernst zu nehmen.
Deshalb muss der regulierte Markt attraktiv genug sein. Kann das legale Angebot nicht mithalten, wandern Spieler dorthin ab, wo es gar keinen Schutz gibt.
Warum spielt man im illegalen Markt doppelt so lange?
Am 30. September saß Ditsche noch auf einem zweiten Panel: „Regulations are getting tighter: What it means for the black market“. Mit ihm diskutierten Katie Reynolds-Jones (Gamstop), Pierre Tournier (European Gaming & Betting Association) und Hayley Doherty (Flutter), moderiert von Ivan Kurochkin. Dort rechnete er vor, warum das legale Angebot in Deutschland kaum mithalten kann.
Seine Rechnung auf Deutsch: Bei einer durchschnittlichen Auszahlungsquote von 95 Prozent behält der Anbieter von 100 Euro Einsatz 5 Euro. Die Steuer fällt in Deutschland aber auf den Einsatz an. „Auf diese 5 Euro muss er 5,30 Euro Steuer zahlen“, sagte Ditsche. Die Folge: Die Anbieter senken die Auszahlungsquote. „Die traurige Wahrheit ist: Im illegalen Markt kann man doppelt so lange spielen wie im legalen. Das ist Statistik.“
Die Grundlage steht im Rennwett- und Lotteriegesetz. Die Virtuelle Automatensteuer beträgt nach § 38 RennwLottG 5,3 Prozent, gerechnet nach § 37 auf den Spieleinsatz abzüglich der Steuer selbst. Bei 100 Euro Einsatz sind das rund 5,03 Euro, also etwas mehr, als dem Anbieter bei 95 Prozent Auszahlungsquote bleibt. Welche Anbieter die Steuer an dich weitergeben, steht in unserem Vergleich der Online-Casinos.
Ist Werbung für Online-Casinos ohne deutsche Lizenz erlaubt?
Nein. § 5 Abs. 7 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 lautet: „Werbung und Sponsoring für unerlaubte Glücksspiele sind verboten.“ Der Satz unterscheidet nicht danach, wer wirbt. Ob ein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat, zeigt die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Spanien geht einen Schritt weiter. Das Real Decreto 958/2020 nennt in Artikel 2 Affiliates („afiliados“) ausdrücklich unter denen, für die seine Werberegeln gelten. Die Begründung konkretisiert zudem die Sorgfaltspflicht der Anbieter für die Unternehmen, die sie als Affiliates einsetzen. CasinoNoticias folgert daraus: Was Ditsche als ethisches Prinzip beschreibt, ist in Spanien gesetzliche Pflicht.
Um welche Summen es geht, zeigte im September ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Laut GGL sollen zwischen Juli 2021 und Ende 2023 rund 5,86 Milliarden Euro Spieleinsätze über unerlaubte Angebote abgewickelt worden sein. Die Hintergründe stehen in unserem Bericht zur Razzia.
Warum hilft es, offen über Glücksspiel zu reden?
Christian Ott: Du hast in Lissabon gesagt, in Deutschland versteckt man das Spielen. Was meinst du damit?
Andreas Ditsche: In anderen Ländern redet man über Glücksspiel wie über einen Restaurantbesuch. Bei uns verstecken es viele. Offen darüber reden zu können, ist schon eine Form sozialen Schutzes.
Christian Ott: Was müsste sich ändern?
Andreas Ditsche: Das legale Angebot muss so gut sein, dass niemand ausweichen will. Und man muss über Glücksspiel sprechen können, ohne sich dafür zu schämen. Dazu gehören Seiten wie unsere, die sachlich darüber schreiben.
Woran erkennst du eine ehrliche Vergleichsseite?
Christian Ott: Letzte Frage. Was sollte jemand prüfen, bevor er einer Vergleichsseite glaubt? Auch unserer.
Andreas Ditsche: Ob der Anbieter auf der Whitelist der GGL steht. Das ist das einzige Merkmal, das sich nicht nachbauen lässt. Dann, ob die Seite offen sagt, womit sie Geld verdient. Und ob sie auch schreibt, was an einem Angebot nicht gut ist. Fehlt eins davon, würde ich weitersuchen.
Offenlegung
casino.de wird von der iG casino.de GmbH betrieben und gehört zur iGaming.com Group. Das Angebot erzielt Einnahmen über die Vermittlung an geprüfte Anbieter mit deutscher Erlaubnis. Andreas Ditsche leitet die iGaming.com Group, Christian Ott leitet die Redaktion von casino.de. Dieser Beitrag enthält keine Anbieterlinks. CasinoNoticias ist nach eigener Angabe Medienpartner des SBC Summit und gehört nicht zur iGaming.com Group.
Hinweis zum Spielerschutz
Ob ein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat, prüfst du in der Whitelist der GGL. Wenn du merkst, dass du mehr spielst als geplant, kannst du dich über OASIS sperren lassen. Beratung ist anonym und kostenlos möglich, die Anlaufstellen stehen auf unserer Seite zur Spielsuchthilfe.
Quellen und Referenzen
- CasinoNoticias, Marco Rother, „Afiliados y mercado gris: la decisión de cumplir se toma al montar el negocio“, . https://casinonoticias.com/afiliados-y-mercado-gris-la-decision-de-cumplir-se-toma-al-montar-el-negocio
- Glücksspielstaatsvertrag 2021, § 5 Werbung, BAYERN.RECHT, abgerufen am . https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/StVGlueStV2021-5
- Rennwett- und Lotteriegesetz, § 37 Bemessungsgrundlage und § 38 Steuersatz, abgerufen am . https://www.gesetze-im-internet.de/rennwlottg_2021/__38.html
- SBC, „Michael Jordan, Carsten Koerl, and Jason Robins to open SBC Summit 2026“, Pressemitteilung über PR Newswire, abgerufen am . https://www.adnkronos.com/immediapress/eng/michael-jordan-carsten-koerl-and-jason-robins-to-open-sbc-summit-2026_13C2aryAzIxUA1ULMZUaGj
- Videoaufnahme des Panels „Regulations are getting tighter: What it means for the black market“, SBC Summit Lissabon, , eigene Aufnahme, Ausschnitt mit Andreas Ditsche.
- Real Decreto 958/2020, de 3 de noviembre, de comunicaciones comerciales de las actividades de juego, Artículo 2, Boletín Oficial del Estado, abgerufen am . https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-2020-13495
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, „GGL begrüßt erfolgreichen Schlag gegen illegales Glücksspiel in Milliardenhöhe“, abgerufen am . https://www.gluecksspiel-behoerde.de/de/news/ggl-begruesst-erfolgreichen-schlag-gegen-illegales-gluecksspiel-in-milliardenhoehe
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, Whitelist erlaubter Anbieter. https://www.gluecksspiel-behoerde.de/de/fuer-spielende/uebersicht-erlaubter-anbieter-whitelist