Das Wichtigste in Kürze
Seit dem 1. Juli 2026 sind bei virtuellen Automatenspielen unter bestimmten Voraussetzungen Einsätze von bis zu 5 Euro pro Spielrunde möglich. Am 11. August 2026 hat ein offener Brief von 20 Fachorganisationen die Entscheidung scharf kritisiert. Denitsa Lyutskanova hat mit Prof. Dr. Andreas Ditsche über die ersten Marktdaten gesprochen. Stand des Interviews: 14. August 2026.
- Der offene Brief. Landesfachstellen, Forschungseinrichtungen und Selbsthilfe fordern Transparenz, eine wissenschaftliche Begleitung sowie die Aussetzung der Erhöhung.
- Die Rechnung im Brief. Bei 5 Euro pro Spin und 87 Prozent Auszahlungsquote sind statistisch bis zu 468 Euro Verlust pro Stunde möglich.
- Der Einwand von Ditsche. Ein höheres Maximum ist nicht dasselbe wie ein höherer Durchschnitt.
- Die Branchenzahlen. Rund 95 Prozent aller Spins lagen im Juli weiterhin bei 1 Euro oder darunter.
- Der Durchschnittseinsatz. Er stieg nach diesen Angaben von rund 43 auf etwa 45 bis 46 Cent, also im einstelligen Prozentbereich.
- Wichtig zur Einordnung. Die Marktzahlen stammen aus der Branche, nicht von einer unabhängigen Stelle. Wir konnten sie nicht nachprüfen.
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen lizenzierte Anbieter bei virtuellen Automatenspielen unter bestimmten Voraussetzungen Einsätze von bis zu 5 Euro pro Spielrunde zulassen. Am 11. August 2026 hat ein offener Brief zahlreicher Suchtexpertinnen und Suchtexperten diese Entscheidung scharf kritisiert. Die Unterzeichnenden warnen vor höheren Suchtrisiken sowie vor einer beschleunigten Überschuldung.
Doch was ist seit der Änderung tatsächlich passiert? Ein Gespräch über die ersten Marktdaten, über mathematische Worst-Case-Szenarien sowie darüber, warum eine sachliche Diskussion über Spielerschutz reale Spielerdaten braucht.
Wo die Kritik trägt und wo nicht
Denitsa Lyutskanova: Andreas, ein offener Brief zahlreicher Suchtexperten kritisiert die Erhöhung des maximal möglichen Einsatzes bei virtuellen Automatenspielen von einem auf bis zu fünf Euro. Die Formulierungen sind deutlich. Ist die Kritik berechtigt?
Andreas Ditsche: Teile davon absolut. Andere Teile halte ich für problematisch.
Ich finde zum Beispiel die Forderung nach Transparenz völlig legitim. Wenn eine Regulierungsbehörde eine wesentliche Produktregel verändert, sollte sie nachvollziehbar erklären, warum sie das tut und auf welcher Datengrundlage. Auch die Forderung nach einer wissenschaftlichen Evaluation der Auswirkungen halte ich für richtig.
Aber an einer entscheidenden Stelle habe ich ein Problem mit dem Brief: Er vermischt das theoretisch Mögliche mit dem tatsächlich Beobachtbaren.
Und genau deshalb sollten wir jetzt über Zahlen sprechen.
Denitsa Lyutskanova: Was meinst du mit theoretisch möglich?
Andreas Ditsche: Der offene Brief argumentiert unter anderem mit einem Spieler, der kontinuierlich fünf Euro pro Spin setzt. Bei einer angenommenen Auszahlungsquote von 87 Prozent errechnen die Autoren einen statistischen Verlust von bis zu 468 Euro pro Stunde. Das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro wäre in diesem Modell nach gut zwei Stunden erreicht.
Diese Rechnung ist mathematisch nachvollziehbar.
Aber sie beantwortet nicht die entscheidende empirische Frage: Spielen Menschen tatsächlich so?
Ein Tempolimit von 250 km/h bedeutet schließlich auch nicht, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn plötzlich 250 km/h beträgt.
Geprüft am Originaldokument: Der offene Brief vom 11. August 2026 nennt die Zahl wörtlich: „Mit einem Einsatz von 5 € pro Spin sind Verluste von bis zu 468 € pro Stunde möglich.” In der zugehörigen Fußnote steht die Rechnung offen: „Verlust/Spiel bei Auszahlungsquote von 87 % = 0,65 €; (3.600 Sek./5 Sek.) x 0,65 € = 468 €/Std.” Der Brief beziffert die statistische Spielzeit bis zum Einzahlungslimit von 1.000 Euro auf 2,14 Stunden. Die Wiedergabe im Interview ist damit korrekt. Die 5-Sekunden-Taktung folgt aus § 22a Abs. 6 Satz 1 GlüStV 2021.
Ein höheres Maximum ist kein höherer Durchschnitt
Denitsa Lyutskanova: Aber fünf Euro sind fünfmal so viel wie ein Euro. Das klingt zunächst nach einem erheblichen zusätzlichen Risiko.
Andreas Ditsche: Genau das ist der intuitive Schluss. Aber ein höheres Maximum ist nicht dasselbe wie ein höherer Durchschnitt.
Die ersten Zahlen, die wir aus der Branche sehen, zeichnen ein sehr viel differenzierteres Bild.
Bei Hölle Games, einem Game-Provider, lagen im Juli beispielsweise rund 95 Prozent aller Spins weiterhin bei einem Euro oder darunter. Nur etwa 4,3 Prozent lagen zwischen einem und drei Euro sowie lediglich 0,6 Prozent zwischen drei und fünf Euro.
Das Interessante ist außerdem: Rund acht Prozent der aktiven Spieler probierten im Juli zumindest einmal einen Einsatz oberhalb der alten Grenze aus. Aber nur ungefähr fünf Prozent aller Spins lagen tatsächlich oberhalb dieser Grenze.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die Juli-Zahlen im Interview
- Rund 95 % aller Spins lagen weiterhin bei 1 Euro oder darunter.
- Etwa 4,3 % der Spins lagen zwischen 1 und 3 Euro.
- Lediglich 0,6 % der Spins lagen zwischen 3 und 5 Euro.
- Rund 8 % der aktiven Spieler probierten mindestens einmal einen höheren Einsatz aus.
- Nur rund 5 % aller Spins lagen am Ende tatsächlich über 1 Euro.
- Quelle und Grenze. Angaben des Game-Providers Hölle Games, genannt von Andreas Ditsche. Ein Anbieter, ein Monat, von uns nicht überprüfbar.
Denitsa Lyutskanova: Warum ist das ein wichtiger Unterschied?
Andreas Ditsche: Weil es darauf hindeutet, dass viele Spieler die neue Möglichkeit ausprobieren, aber keineswegs dauerhaft auf höhere Einsätze wechseln.
Das ist für mich momentan die spannendste Beobachtung.
Die Regulierung erlaubt theoretisch einen Sprung von einem auf bis zu fünf Euro. Das tatsächliche Verhalten zeigt bislang aber keinen vergleichbaren Sprung. Spieler testen höhere Stakes und kehren bei vielen ihrer Spins offenbar wieder zu niedrigeren Einsatzhöhen zurück.
Man könnte sagen: Die regulatorische Grenze hat sich verfünffacht. Das Spielverhalten nicht.
Denitsa Lyutskanova: Sieht man das auch beim durchschnittlichen Einsatz?
Andreas Ditsche: Ja. Und wahrscheinlich sogar deutlicher.
Unsere ersten Branchendaten zeigen vor der Änderung durchschnittliche Einsätze in einer Größenordnung von rund 43 Cent. Im Juli sehen wir Werte um etwa 45 bis 46 Cent, abhängig von Anbieter, Portfolio und Datensatz.
Wir reden also momentan eher über eine Erhöhung im Bereich von ungefähr fünf bis zehn Prozent.
Nicht über 100 Prozent.
Nicht über 400 Prozent.
Und schon gar nicht über eine Verfünffachung.
Das bedeutet nicht, dass fünf oder zehn Prozent irrelevant wären. Aber für eine sachliche Bewertung ist der Unterschied zwischen einem einstelligen Plus beim durchschnittlichen Einsatz und einem Plus von 400 Prozent beim theoretisch möglichen Höchsteinsatz ziemlich fundamental.
Legitimes Risiko oder Worst-Case-Framing?
Denitsa Lyutskanova: Dann ist der offene Brief aus deiner Sicht übertrieben?
Andreas Ditsche: Ich würde es anders formulieren: Er beschreibt ein legitimes Risiko, aber teilweise mit einem Worst-Case-Framing.
Der Brief sagt ausdrücklich, dass virtuelle Automatenspiele ein hohes Suchtpotenzial besitzen. Er verweist darauf, dass das virtuelle Automatenspiel in den Beratungsstellen mit 22,6 Prozent die zweithäufigste Hauptspielform des Jahres 2025 war. Außerdem zitiert er Daten, wonach unter den Glücksspielteilnehmern zwischen 18 und 70 Jahren die Nutzer virtueller Automatenspiele mit 32,5 Prozent den höchsten Anteil glücksspielbezogener Störungen aufweisen. Beide Zahlen stammen aus dem DHS-Jahrbuch Sucht 2026.
Das sind ernst zu nehmende Punkte.
Nur folgt daraus nicht automatisch, dass eine Erhöhung des maximal möglichen Einsatzes von einem auf fünf Euro die tatsächlichen Verluste verfünffacht.
Diese Verbindung muss empirisch nachgewiesen werden.
Und genau hier werden die nächsten Monate interessant.
Denitsa Lyutskanova: Du stellst dich damit überraschend deutlich auf die Seite der GGL.
Andreas Ditsche: Ich stelle mich auf die Seite der Daten.
Wenn die Daten in sechs Monaten zeigen, dass durchschnittliche Einsätze massiv steigen, Hochrisikospieler deutlich höhere Verluste produzieren und sich relevante Spielerschutzindikatoren verschlechtern, dann müssen wir darüber sprechen und gegebenenfalls regulatorisch reagieren.
Aber wenn wir feststellen, dass die überwältigende Mehrheit der Spins weiterhin bei einem Euro oder darunter stattfindet und sich der Durchschnittseinsatz nur moderat bewegt, dann müssen wir auch das akzeptieren.
Regulierung sollte evidenzbasiert sein. Das gilt in beide Richtungen.
Denitsa Lyutskanova: Im offenen Brief wird aber gerade kritisiert, dass die GGL die Evaluation des Glücksspielstaatsvertrags nicht abgewartet habe.
Andreas Ditsche: Und das ist einer der stärkeren Punkte des Briefes.
Die Unterzeichner kritisieren, dass die Änderung mitten in der Evaluationsphase vorgenommen wurde und ihrer Ansicht nach eine unabhängige wissenschaftliche Grundlage für den konkreten Zeitpunkt sowie die konkrete Höhe der Anpassung fehlt. Sie fordern unter anderem eine öffentliche Begründung, eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung und eine stärkere Beteiligung der Fachöffentlichkeit.
Damit kann ich viel anfangen.
Aber wenn wir mehr Evidenz verlangen, müssen wir konsequent sein: Dann dürfen wir auch selbst nicht aus einer theoretischen Verlustrechnung eine Aussage über reales Spielverhalten machen.
Evidenzbasierung darf keine Einbahnstraße sein.
Ein Monat ist keine Langzeitstudie
Andreas Ditsche: Absolut. Deshalb gebe ich auch keine Entwarnung.
Juli ist ein erster Datenpunkt, keine wissenschaftliche Langzeitstudie.
Es gibt Saisonalität. Es gibt Unterschiede zwischen Operatoren und Game Providern. Promotions und Freispiele können den durchschnittlichen Spin-Wert beeinflussen. Sportwetten und Casino haben Cross-Selling-Effekte. Und natürlich kann es sein, dass sich Spielverhalten erst mit Verzögerung verändert.
Deshalb wäre es unseriös zu sagen: „Seht her, alles vollkommen harmlos.”
Aber genauso unseriös wäre die gegenteilige Aussage: „Das Limit wurde verfünffacht, deshalb werden die Verluste dramatisch steigen.”
Beides wissen wir noch nicht.
Was wir wissen, ist: Der dramatische Sprung ist in den ersten verfügbaren Daten bislang nicht zu sehen.
Denitsa Lyutskanova: Es gibt auch historische Daten aus der Zeit vor der deutschen Regulierung. Was sagen die?
Andreas Ditsche: Die sind interessant, weil wir damals keine vergleichbare Ein-Euro-Grenze hatten.
Nach Branchendaten lag der durchschnittliche Spin-Wert deutscher Spieler vor Einführung der deutschen Lizenz ungefähr bei 70 Cent. Nach Einführung der Regulierung sank er über mehrere Jahre von ungefähr 51 Cent auf etwa 43 Cent.
Auch das zeigt: Spieler setzen nicht automatisch das regulatorisch erlaubte Maximum.
Der durchschnittliche Einsatz entsteht aus einer Vielzahl von Entscheidungen: Spielertyp, Spiel, Promotions, Freispiele, Bankroll, Gewinnsituation und viele andere Faktoren.
Ein Maximum ist eine Grenze. Es ist keine Verhaltensprognose.
Warum die Erhöhung überhaupt kam
Denitsa Lyutskanova: Warum war die Erhöhung dann überhaupt notwendig? Wenn kaum jemand mehr als einen Euro spielt, hätte man es doch einfach bei einem Euro belassen können.
Andreas Ditsche: Das ist die viel interessantere Frage.
Die deutsche Glücksspielregulierung verfolgt nicht nur das Ziel, Spielintensität zu begrenzen. Sie verfolgt auch das Ziel, Spieler in den regulierten Markt zu kanalisieren.
Und dafür muss der regulierte Markt attraktiv genug sein, dass Spieler dort tatsächlich bleiben.
Gerade höherwertige Spieler sind in den vergangenen Jahren teilweise zu nicht lizenzierten Angeboten abgewandert. Wenn regulatorische Restriktionen dazu führen, dass bestimmte Spieler den legalen Markt verlassen, verlieren wir genau dort die Möglichkeit, Spielerschutz durchzusetzen.
Ein Spieler im Schwarzmarkt hat nichts von einem perfekten deutschen Einsatzlimit.
Denitsa Lyutskanova: Kritiker würden sagen: Das ist das klassische Kanalisierungsargument der Industrie. Mehr erlauben, damit Spieler nicht zum Schwarzmarkt gehen.
Andreas Ditsche: Dann sollten wir auch dieses Argument messen statt glauben.
Wenn höhere Einsatzmöglichkeiten die Kanalisierung verbessern, ohne problematisches Spielverhalten substanziell zu erhöhen, wäre das regulatorisch relevant.
Wenn sie dagegen lediglich Verluste und problematisches Verhalten erhöhen, ohne Spieler aus dem Schwarzmarkt zurückzugewinnen, wäre das ebenfalls relevant.
Die richtige Frage lautet also nicht: „Sind fünf Euro gut oder böse?”
Sondern: „Welche regulatorische Ausgestaltung minimiert den Gesamtschaden?”
Das ist eine wesentlich anspruchsvollere Frage.
Aussetzen oder messen?
Denitsa Lyutskanova: Der offene Brief fordert sogar, die Erhöhung auszusetzen beziehungsweise zurückzunehmen, bis die Evaluation des Glücksspielstaatsvertrags vorliegt. Würdest du das unterstützen?
Andreas Ditsche: Auf Basis der momentan verfügbaren Daten nicht.
Ich würde etwas anderes vorschlagen: Messen.
Wir haben jetzt eine regulatorische Veränderung. Damit haben wir gleichzeitig ein reales Experiment.
Und diese Daten sollten idealerweise nicht nur von einzelnen Unternehmen kommen, sondern aggregiert, anonymisiert und wissenschaftlich ausgewertet werden.
Dann hätten wir eine Debatte, die uns wirklich weiterbringt.
Was in den nächsten Monaten gemessen werden sollte
- Durchschnittlicher Einsatz pro Spin.
- Anteil der Spins oberhalb von einem Euro.
- Verteilung der höheren Stakes.
- Verluste unterschiedlicher Spielergruppen.
- Entwicklung besonders intensiver Spieler.
- Veränderungen bei den Einzahlungslimits.
- Kanalisierungseffekte, soweit sie überhaupt messbar sind.
Denitsa Lyutskanova: Was wäre dein Wunsch an die Unterzeichner des offenen Briefes?
Andreas Ditsche: Dass wir weniger gegeneinander und mehr miteinander arbeiten.
Die Unterzeichner vertreten Organisationen aus Suchthilfe, Forschung und Selbsthilfe. Diese Perspektive brauchen wir unbedingt.
Aber die Industrie verfügt gleichzeitig über etwas, das für die Forschung enorm wertvoll ist: reales Spielverhalten in sehr großen Datenmengen.
Statt Worst-Case-Szenarien auf der einen Seite und Lobbyargumente auf der anderen Seite gegeneinanderzustellen, sollten wir beides verbinden.
Suchtforschung formuliert Hypothesen.
Regulierer schaffen einen kontrollierten Rahmen.
Und die Industrie liefert anonymisierte Verhaltensdaten.
Dann können wir überprüfen, was tatsächlich passiert.
Fazit: Zahlen statt Polemik
Denitsa Lyutskanova: Wenn du die ersten sechs Wochen seit der Änderung in einem Satz zusammenfassen müsstest?
Andreas Ditsche: Vielleicht so: Die Spieler haben die neue Freiheit bemerkt, sie bislang aber deutlich weniger genutzt, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Oder noch kürzer: Fünf Euro sind jetzt möglich. Fünf Euro sind deshalb noch lange nicht normal.
Denitsa Lyutskanova: Und dein Fazit zum offenen Brief?
Andreas Ditsche: Die Sorge um Spielerschutz ist richtig. Die Forderung nach Transparenz ist richtig. Die Forderung nach wissenschaftlicher Evaluation ist richtig.
Aber gerade wer Wissenschaft fordert, sollte sauber zwischen theoretischem Risiko und beobachtetem Verhalten unterscheiden.
Der offene Brief zeigt, was bei fünf Euro pro Spin passieren kann.
Die ersten Marktdaten zeigen, was Spieler bislang tatsächlich tun.
95 Prozent der Spins bleiben bei maximal einem Euro. Nur ein sehr kleiner Anteil erreicht die höheren Einsatzbereiche. Und der durchschnittliche Einsatz ist bislang lediglich moderat gestiegen.
Das kann sich noch verändern. Deshalb sollten wir weiter messen.
Und vielleicht ist das am Ende sogar der Punkt, bei dem sich GGL, Suchtforschung und Industrie einigen können.
Zahlen statt Polemik.
Was der offene Brief konkret fordert
Damit die Gegenseite nicht nur zitiert, sondern nachlesbar wird: Der offene Brief vom 11. August 2026 richtet sich an die Innenministerinnen und Innenminister sowie die Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder. Unterzeichnet haben ihn 20 Organisationen, darunter die Arbeitseinheit Glücksspielforschung der Universität Bremen, die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, der Fachverband Glücksspielsucht, mehrere Landesfachstellen sowie der Bundesverband Selbsthilfe Glücksspielsucht. Den vollständigen Brief gibt es hier als PDF zum Download (4 Seiten, 132 KB).
Die sechs Forderungen im Wortlaut
- Begründung. Eine transparente, öffentliche und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Begründung der GGL für die Erhöhung des Höchsteinsatzes.
- Aussetzung. Eine Aussetzung beziehungsweise Rücknahme der Erhöhung, bis die Evaluation des GlüStV 2021 vorliegt.
- Evaluation. Bei Nichtrücknahme eine begleitende, unabhängige und wissenschaftliche Evaluation der Erhöhung.
- Anhörung. Eine umgehende Sachverständigenanhörung zur Erhöhung sowie zu den spezifischen Gefahren des virtuellen Automatenspiels.
- Politische Prüfung. Eine politische Überprüfung der Entscheidung im Einklang mit dem einstimmigen GMK-Beschluss vom Juni 2026.
- Beteiligung. Eine stärkere Beteiligung der suchtfachlichen Expertise und der Fachöffentlichkeit bei künftigen Änderungen.
Wie das Stufenmodell im Detail funktioniert, welche Voraussetzungen für 3 beziehungsweise 5 Euro gelten und welcher Anbieter welche Stufe freigeschaltet hat, haben wir in unserem Beitrag zu den neuen Einsatzlimits aufgeschrieben.
Hinweis zur Quelle & Spielerschutz
Die Angaben zu Inhalt, Zahlen, Forderungen und Unterzeichnenden des offenen Briefes stammen aus dem Originaldokument vom 11. August 2026, das wir im Volltext ausgewertet haben. Die im Interview genannten Markt- und Verhaltensdaten sind Angaben des Interviewten und liegen uns nicht als unabhängig geprüfte Veröffentlichung vor. Interview und Redaktion liegen bei iGaming.com, dem Betreiber von casino.de. Wer bei uns schreibt und prüft, steht unter Unser Team. Das Aufmacherbild ist KI-generiert. Alle Links haben wir am 17. August 2026 zuletzt geprüft. Glücksspiel kann süchtig machen. Hilfe und Beratung gibt es kostenlos und anonym unter 0800 1 37 27 00 sowie beim Selbsttest auf check-dein-spiel.de, einem Angebot des BIÖG. Mindestalter 18 Jahre.
Quellen & Referenzen
- Offener Brief an die Ministerinnen und Minister sowie die Senatorinnen und Senatoren für Inneres der Länder, 11.08.2026, gluecksspielsucht-nrw.de. Belegt die 468-Euro-Rechnung, die 87 Prozent Auszahlungsquote, die 2,14 Stunden bis zum Einzahlungslimit, die sechs Forderungen sowie die Liste der Unterzeichnenden. Eine Kopie des Dokuments bieten wir im Beitrag als PDF an
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Jahrbuch Sucht 2026, Beitrag von Meyer, G. & Hayer, T., „Glücksspiel: Zahlen und Fakten”, Lengerich 2026, S. 139 und S. 142. Belegt die 22,6 Prozent als zweithäufigste Hauptspielform 2025 sowie die 32,5 Prozent, zitiert nach den Fußnoten 5 und 6 des offenen Briefes
- GGL, Entscheidungsrichtlinie zur Anpassung des Höchsteinsatzes gemäß § 22a Abs. 7 Satz 2 GlüStV 2021, Stand 01.07.2026, gluecksspiel-behoerde.de
- GGL, FAQ zur Anpassung des Höchsteinsatzes bei virtuellen Automatenspielen, Stand 01.07.2026, gluecksspiel-behoerde.de
- games & business, Offener Brief kritisiert erhöhte Einsatzlimits, 12.08.2026, gamesundbusiness.de
- Landesfachstelle Glücksspielsucht der Suchtkooperation NRW, Meldung zur Erhöhung des Einsatzlimits, gluecksspielsucht-nrw.de
- Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, Erhöhung der Einsatzlimits bei Online-Automatenspielen, 17.07.2026, lsgbayern.de
- Gesundheitsministerkonferenz, Beschluss vom Juni 2026, gmkonline.de
- Denitsa Lyutskanova, Head of Content bei iGaming.com, Kurzprofil, igaming.com
- Angaben des Game-Providers Hölle Games zu Spin-Verteilung und Durchschnittseinsätzen im Juli 2026, genannt von Andreas Ditsche im Interview am 14.08.2026. Uns liegt dazu keine eigenständige Veröffentlichung vor, eine unabhängige Prüfung war nicht möglich