Kategorie: GGL

5,86 Milliarden Euro: illegale Casinos bleiben erreichbar

Der Frankfurter Glücksspiel-Fall zeigt die Dimension des Schwarzmarkts. Doch Razzien und Sperren schützen Spieler nicht automatisch. Entscheidend ist nicht, ob eine Website erreichbar ist oder eine Lizenz zeigt, sondern ob sie in Deutschland zugelassen ist.

Online-Casino auf einem Bildschirm neben Ermittlungsakte, Lupe und Blaulicht.
Christian Ott
Geschrieben am 21.09.2026 8 Min. Lesezeit
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Faktencheck

Quellenstand: 21.09.2026. Die Zahlen zum Ermittlungsverfahren stammen aus Berichten von FAZ, hessenschau und dpa, die sich auf eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main berufen. Eine öffentlich abrufbare Pressemitteilung der Behörde ist nicht auffindbar; geprüft wurden die Blaulicht-Themenseiten bei Presseportal, die Presseseiten der hessischen Justiz und mehrere Suchabfragen. Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Es gibt Beschuldigte, aber kein Urteil. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Die Angaben zu den beiden Domains beruhen auf einer eigenen Messung, die Registerangaben auf der amtlichen GGL-Whitelist.

Was in Frankfurt passiert ist

Mehr als 100 Einsatzkräfte, elf durchsuchte Objekte und gesicherte Vermögenswerte von rund 82 Millionen Euro: So groß war der Zugriff in Frankfurt, im Umland und in Köln.

Fünf Beschuldigte sollen seit mindestens Juli 2021 Online-Glücksspiele ohne deutsche Erlaubnis angeboten haben. Nach Angaben der Ermittler beliefen sich die Spieleinsätze bis Ende 2023 auf rund 5,86 Milliarden Euro. Allein für 2024 wird der mutmaßliche Steuerschaden mit 77,6 Millionen Euro beziffert.

Eine Sperre bedeutet nicht, dass das Angebot verschwunden ist

Acht Tage nach der Razzia begrüßte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, den Ermittlungserfolg und warnte erneut vor illegalen Angeboten. Als Beispiel nannte sie Platincasino.

Verbraucherwarnung der Aufsicht

„Die GGL warnt Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich vor der Teilnahme an illegalen Angeboten wie etwa Platincasino.”

Gemeinsame Glücksspielbehörde der LänderMitteilung vom 17. September 2026

Wichtig ist die Abgrenzung: Die Behörde erklärte nicht, Platincasino sei Gegenstand des Frankfurter Verfahrens. Auch die Berichte über die Razzia nennen keinen Markennamen. Beides miteinander gleichzusetzen, wäre daher nicht belegt.

Trotzdem lohnt ein Blick auf das Angebot. Unser Test aus Deutschland am 21. September 2026 ergab: platincasino.de leitet Besucher auf eine andere Website weiter. platincasino.com war dagegen weiterhin erreichbar, mit Casino, Sportwetten, Slots, Bonusangeboten und offener Registrierung.

Das zeigt das eigentliche Problem: Eine Domain kann abgeschaltet oder umgeleitet werden, während das Angebot unter einer anderen Adresse, mit einer anderen Gesellschaft und einer ausländischen Lizenz weiterläuft.

Eine Lizenz in der Fußzeile reicht nicht

Eine Lizenz aus Curaçao oder Malta ist keine deutsche Erlaubnis. Entscheidend ist allein, ob Betreiber und Internetadresse in der amtlichen Whitelist der GGL aufgeführt sind.

Der Unterschied ist praktisch relevant. In Deutschland zugelassene Anbieter sind an die Spielersperrdatei OASIS und das Aufsichtssystem LUGAS angeschlossen. Dort gilt grundsätzlich ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von höchstens 1.000 Euro im Monat, das du freiwillig niedriger setzen kannst. Bei nicht zugelassenen Angeboten greifen diese Schutzmechanismen nicht. Die Einzelheiten stehen in der Übersicht der Spielerschutzmaßnahmen der GGL.

Karlsruhe entscheidet über die Rückzahlung von Verlusten

Parallel beschäftigt der illegale Markt die Gerichte. Am 28. Januar 2027 will der Bundesgerichtshof in zwei Verfahren entscheiden, unter welchen Voraussetzungen Spieler Verluste aus unerlaubtem Online-Glücksspiel zurückfordern können.

Allein beim BGH sind nach dessen Angaben Verfahren in dreistelliger Zahl anhängig. Die kommende Entscheidung könnte deshalb weit über die beiden Einzelfälle hinausreichen. Bis dahin will der Senat die übrigen Verfahren erneut aussetzen. Wer klagt, wartet also.

Zwei Minuten können den Unterschied machen

Ob ein Anbieter in Deutschland zugelassen ist, lässt sich schnell prüfen.

  1. Die Whitelist der GGL öffnen. Notiere dir den Registerstand, der oben auf der Seite steht. Beim Abruf am 21. September 2026 war es der Stand vom 7. September mit 166 Erlaubnisinhabern.
  2. Nach der Betreibergesellschaft suchen. Sie steht im Impressum oder in der Fußzeile, nicht der Markenname allein.
  3. Internetadresse und Spielform abgleichen. Eine Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele deckt kein Online-Poker ab, eine Sportwetten-Erlaubnis keine Slots.

Was die Prüfung nicht leistet: Sie sagt dir nichts über Auszahlungsdauer, Kundendienst oder Fairness eines Spiels. Alles Weitere steht in unserem Test der in Deutschland erlaubten Online Casinos.

Der Frankfurter Fall zeigt, dass der Vollzug härter wird. Er zeigt aber auch seine Grenzen. Eine Razzia kann Strukturen treffen und Vermögen sichern. Sie verhindert nicht automatisch, dass illegale Angebote unter neuen Adressen oder mit neuen Betreibergesellschaften weitermachen.

Häufige Fragen

Ist Platincasino in Deutschland erlaubt?

Nein. Weder die Marke noch die Betreibergesellschaften Latiform B.V. und Red Rhino Limited stehen im deutschen Register, geprüft über 14 Registerstände bis zum 21. September 2026. Die GGL nennt das Angebot in ihrer Mitteilung vom 17. September ausdrücklich als Beispiel für ein illegales Angebot.

Was passiert am 28. Januar 2027?

Der Bundesgerichtshof verkündet seine Entscheidung in den Verfahren I ZR 216/25 und I ZR 78/25. Beide betreffen die Frage, unter welchen Voraussetzungen Spieler Verluste aus unerlaubtem Online-Glücksspiel zurückfordern können.

Gilt das auch für Sportwetten?

Nein. Der BGH grenzt seinen Fall ausdrücklich von Online-Sportwetten ab. Für die läuft ein eigenes Verfahren beim Europäischen Gerichtshof unter C-530/24, das noch nicht entschieden ist.

Woran erkenne ich eine deutsche Erlaubnis auf den ersten Blick?

An drei Dingen: dem Eintrag in der GGL-Whitelist, dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit über LUGAS von grundsätzlich höchstens 1.000 Euro im Monat und dem Abgleich mit der Sperrdatei OASIS bei Registrierung und Login.

Meine Einordnung

Wer sich schützen will, sollte sich nicht auf den ersten Eindruck einer Website verlassen. Maßgeblich ist nicht die Lizenz in der Fußzeile, sondern der Eintrag im deutschen Register. Das kostet zwei Minuten, bevor Geld fließt.

Offenlegung

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Quellen und Referenzen

Über den Autor
Christian Ott
Christian Ott
Redaktionsleitung
Christian Ott verantwortet bei casino.de die Redaktionsleitung und wirkt an der Entwicklung mit. In der Produktentwicklung bei iGaming.com arbeitet er seit über fünf Jahren direkt am Produkt und kennt Anbieter, Markt und Regulatorisches aus dem Tagesgeschäft. So hat er den iGaming-Markt täglich im Blick, sein Wissen ist hier längst unverzichtbar und immer aktuell. Angefangen hat seine Laufbahn 2014 als SEO-Freelancer und Webmaster.