Kategorie: GGL

Wer „wettanbieter“ googelt, bekommt zuerst „ohne OASIS“ vorgeschlagen

Seit dem 25. September 2024 dürfen in Deutschland nur Anbieter mit deutscher Erlaubnis bei Google werben. Wer „wettanbieter“ eintippt, bekommt trotzdem zuerst „wettanbieter ohne oasis“ vorgeschlagen. Unser CEO Dr. Andreas Ditsche hat dem RND dazu Rede und Antwort gestanden. Zwei Wochen später haben wir nachgemessen.

Andreas Ditsche, CEO der iGaming.com Group, vor einem Stadion neben einer Google-Vorschlagsliste mit „wettanbieter ohne oasis“ und „wettanbieter ohne lugas“ (KI-generierte Illustration)
Christian Ott
Geschrieben am 07.10.2026 24 Min. Lesezeit
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Faktencheck

Geprüft: Suchvorschläge und Treffer stammen aus einer entpersonalisierten Abfrage am 6. Oktober 2026 mit Google-Standort Deutschland, Großbritannien und Spanien, Desktop. Alle 58 Rohantworten sind archiviert. Für jede fremde Domain haben wir die Startseite und die gelistete Unterseite abgerufen. Die Rechtslage stammt aus dem Wortlaut von Glücksspielstaatsvertrag und Strafgesetzbuch sowie aus Veröffentlichungen der GGL, der Erlaubnisstatus aus der amtlichen Whitelist mit Stand 2. Oktober 2026. Die Screenshots zeigen eine Browser-Sitzung ohne Anmeldung vom selben Tag. Googles Richtlinien haben wir im Original gelesen. Zitate aus dem RND-Bericht stammen aus dessen Fassung vom 23. September 2026. Das Beitragsbild ist KI-generiert und im Bild oben links mit „AI“ gekennzeichnet. Stand: 06.10.2026

Was Google heute vorschlägt

Die Autovervollständigung ist der erste Kontakt mit der Suche. Noch bevor ein Ergebnis erscheint, legt Google eine Liste möglicher Suchen unter das Eingabefeld. Wer „wettanbieter“ tippt, sieht dort am 6. Oktober 2026 als Erstes „wettanbieter ohne oasis“ mit einer angehängten Domain und einer Deutschlandflagge. Auf Platz 2 folgt dasselbe für LUGAS, auf Platz 3 „wettanbieter ohne lugas“ ohne Zusatz.

Google-Suche nach „wettanbieter“: Die ersten beiden Vorschläge lauten „wettanbieter ohne oasis“ und „wettanbieter ohne lugas“, jeweils mit Flaggen und einer geschwärzten Adresse. Standortangabe Deutschland.
Google-Vorschläge für „wettanbieter“ ohne Anmeldung und ohne Cookies, Standort Deutschland. Adressen von der Redaktion geschwärzt. Screenshot vom 06.10.2026

OASIS ist das bundesweite Spielersperrsystem, LUGAS das System, mit dem die GGL das anbieterübergreifende Einzahlungslimit und das parallele Spiel überwacht. Erlaubte Anbieter von Online-Sportwetten und Online-Casinos müssen an beide angebunden sein. Ein Vorschlag „ohne OASIS“ zielt also auf Anbieter, bei denen eine OASIS-Sperre nicht greift.

Ein Einzelfall ist das nicht. Wir haben 20 Eingaben gemessen, so wie Menschen sie tippen: „wetten“, „wetten o“, „sportwetten“, „wettanbieter ohne“, „casino“, „online casino o“ und andere. Google lieferte 282 Vorschläge. 93 davon, also 33 Prozent, verbinden „ohne“ mit OASIS, LUGAS, Lizenz oder Limit. Über die Absicht der Suchenden sagt die Zählung nichts. Vorschläge wie „wetten ohne einzahlung“ haben wir nicht mitgezählt, weil sie keinen Schutz umgehen. Weitere 31 enthalten mehrdeutige Formulierungen wie „ohne Verifizierung“, „ohne Anmeldung“ oder „ohne Steuer“, mit ihnen wären es 44 Prozent. Die 20 Eingaben sind eine Auswahl, kein Abbild aller Glücksspielsuchen.

Bei 15 der 20 Eingaben steht ein solcher Vorschlag auf Platz 1, 2 oder 3. Bei „sportwetten o“ und „online casino o“ ist es Platz 1, bei „casino o“ Platz 2. Bei „wetten“ allein schlägt Google nichts dergleichen vor, dort dominiert die Fernsehshow „Wetten, dass..?“. Bei „sportwetten“ allein steht auf Platz 1 ein Eintrag mit Webadresse.

Balkendiagramm: Anteil der Google-Suchvorschläge, die „ohne“ mit OASIS, LUGAS, Lizenz oder Limit verbinden, in Deutschland 33,0 Prozent, Großbritannien 7,3 Prozent, Spanien 4,7 Prozent. Anteil mit Domainnamen: Deutschland 26,6 Prozent, Großbritannien 0 Prozent, Spanien 3,4 Prozent.
Anteil der Google-Suchvorschläge mit „ohne“ plus OASIS, LUGAS, Lizenz oder Limit im Vergleich dreier Länder. Grafik: casino.de, eigene Erhebung vom 06.10.2026

Was RND gefunden hat und was Google und unser CEO dazu sagen

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat das Muster im September öffentlich gemacht. In einem Bericht vom 23. September 2026 beschreibt die Redaktion einen Selbstversuch vom 27. August. Auf die Eingabe „wetten“ schlug Google an den beiden prominentesten Stellen Fußballwetten „ohne lugas“ und „ohne oasis“ vor, jeweils mit einer angehängten Adresse.

Google erklärte gegenüber RND: „Die Autovervollständigungsvorschläge werden automatisch auf Basis realer Suchanfragen generiert und sollen hilfreich sein.“ Nach der Anfrage teilte ein Sprecher mit: „Wir verfügen über automatisierte Systeme und Teams, die Vorschläge, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, identifizieren und entfernen, wie wir es auch in diesem Fall getan haben.“ Bei einer zweiten Stichprobe am 22. September zeigte „wetten“ dann fast nur noch Vorschläge zur Fernsehshow. Ob das an Google lag oder am Interesse an der Show am 5. Dezember, sei nicht rekonstruierbar, schreibt RND. Nach „wetten o“ erschienen aber weiter „wetten ohne lugas limit“ und „wetten ohne oasis mit paypal“.

Für den Bericht stand unser CEO Dr. Andreas Ditsche dem RND Rede und Antwort. Ditsche führt die iGaming.com Group, zu der casino.de gehört. Er ist außerdem Professor für Management, KI, Entrepreneurship und Innovation an der Kutaisi International University in Georgien und lehrt Ethik an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Gegenüber RND sagte er, von den 40 häufigsten Suchanfragen zum Glücksspiel zielten nur 23 Prozent ausdrücklich auf legale Angebote. „Google bedient das, was gesucht wird“, so Ditsche. Technisch ließen sich solche Vorschläge aber verhindern. In Großbritannien und Spanien unterdrücke Google sie bereits.

Unsere Messung zwei Wochen später bestätigt die Beobachtung von RND. „wetten ohne lugas limit“ steht bei „wetten o“ auf Platz 3, bei „wetten oh“ auf Platz 2. „wetten ohne oasis mit paypal“ folgt bei „wetten oh“ auf Platz 3. Auch die Adresse, die RND im August gezeigt hat, taucht wieder auf, allerdings bei einer anderen Eingabe: Bei „fussball wetten o“ steht sie auf Platz 9, diesmal mit einem Leerzeichen statt des Punkts und mit zwei einzelnen Flaggenbuchstaben.

Warum Domainnamen im Suchfeld stehen

75 der 282 deutschen Vorschläge enthalten einen Domainnamen, meist zusammen mit einem Flaggen-Emoji, oft mit dem Zusatz „-d“. Ein typisches Beispiel lautet „casino ohne lizenz“, gefolgt von Flagge, Adresse und „-d“. Mindestens sechs verschiedene Adressen tauchen auf, drei davon in 70 Vorschlägen. Bei „casino“ ohne Zusatz stehen solche Einträge auf Platz 1 und 2, bei „online casino“ auf Platz 1.

Im Browser zeigte Google am selben Tag zusätzlich abgewandelte Schreibweisen. Bei „sportwetten o“ steht auf Platz 2 „sportwetten ohne deutsche lizenz“, gefolgt von einer Adresse, in der ein Leerzeichen den Punkt ersetzt. Dieselbe Schreibweise steht bei „wettanbieter“ auf Platz 4.

Google-Suche nach „sportwetten o“: Platz 1 „sportwetten ohne oasis“ und Platz 2 „sportwetten ohne deutsche lizenz“, jeweils mit Flaggen und einer geschwärzten Adresse. Standortangabe Deutschland.
Google-Vorschläge für „sportwetten o“, Platz 2 mit abgewandelter Adresse. Adressen von der Redaktion geschwärzt. Screenshot vom 06.10.2026

Laut Google spiegeln die Vorschläge „tatsächliche Suchanfragen bei Google“ wider, Ergänzungen einzelner Wörter beruhen zudem auf „Wortmustern aus dem Web“. Dass Menschen in großer Zahl eine Webadresse mit Flagge und Bindestrich-Operator in das Suchfeld tippen, ist schwer vorstellbar. Wie diese Einträge entstehen und ob jemand sie gezielt beeinflusst, lässt sich aus unserer Messung nicht feststellen. Für die Wirkung ist das zweitrangig: Wer den Vorschlag anklickt, sucht nach genau dieser Adresse.

Googles Richtlinien für die automatische Vervollständigung nennen sieben Kategorien, die nicht vorgeschlagen werden sollen. Dazu gehören gefährliche, belästigende und hasserfüllte Inhalte. Glücksspiel, illegale Angebote und Spam stehen nicht ausdrücklich darin. Ob Google Angebote ohne deutsche Erlaubnis unter „gefährliche Inhalte“ fasst, sagt die Richtlinie nicht. Was die automatischen Systeme übersehen, entfernen laut Google eigene Teams. Dabei verschwinden „neben den Vorschlägen“ auch ähnliche Varianten.

Wer bei diesen Suchen oben steht

Wer einem Vorschlag folgt, landet auf einer Ergebnisseite. Wir haben die organischen Treffer der ersten Seite für zehn solcher Suchen erhoben, von „wetten ohne oasis“ bis „sportwetten ohne verifizierung“. Eine Suche lieferte über die Schnittstelle keine Treffer und fehlt deshalb in der Auswertung. Übrig blieben 66 Treffer auf 42 Domains.

30 davon stammen von Vergleichsseiten, die sich offen mit Glücksspiel beschäftigen. 29 stammen von Domains, deren Startseite ein ganz anderes Thema hat. 21 dieser Treffer liegen auf zehn Websites ohne erkennbaren Bezug zum Glücksspiel, acht auf Sport- und Spielemedien mit eigener Wett-Rubrik. Kein einziger Treffer führte direkt zu einem Anbieter.

Bei „wetten ohne oasis“ stammen alle sechs Treffer von fremden Domains, bei „sportwetten ohne oasis“ alle vier. Acht Treffer über beide Suchen, verteilt auf fünf Unterseiten, entfallen auf die Domain eines ambulanten Palliativdienstes, der schwerkranke Menschen zu Hause versorgt. Weitere Treffer liegen auf den Websites einer nigerianischen Tageszeitung, eines indischen Nachrichtenportals, eines Legasthenie-Forschungszentrums an einer US-Universität, eines spanischen Sofahändlers und eines niederländischen Brettspielshops.

Balkendiagramm: 66 Treffer bei zehn Suchen, davon 30 auf Glücksspiel-Vergleichsseiten, 29 auf fremden Domains, 6 auf Plattformen und Foren, 1 auf Presse und Information, 0 bei Anbietern. Daneben die Themen der fremden Domains, angeführt von einem ambulanten Palliativdienst mit 8 Treffern.
Treffer nach Art der Domain und Themen der fremden Domains. Grafik: casino.de, eigene Erhebung vom 06.10.2026

Wer diese Seiten direkt aufruft, sieht oft nichts davon. Alle fünf gelisteten Unterseiten beim Palliativdienst antworteten mit „Seite nicht gefunden“, ebenso die Seite beim Forschungszentrum. Insgesamt lieferten 8 gelistete Adressen auf 4 Domains diesen Fehler. Beim indischen Nachrichtenportal kam ohne Herkunftsangabe ebenfalls ein Fehler. Mit dem Vermerk, dass der Besuch von Google kommt, lieferte dieselbe Adresse die vollständige Wettseite, in zwei Abrufen. Eine zum Verkauf stehende Domain zeigte direkt aufgerufen eine Verkaufsseite. Mit Google als Herkunft lieferte sie eine andere Fassung samt Skript zur Erkennung von Suchmaschinen-Crawlern und leitete auf eine andere Adresse weiter.

Google kennt solche Muster. Seine Spam-Richtlinien führen Cloaking und gehackte Inhalte, seit 2024 auch den Missbrauch abgelaufener Domains und den Missbrauch des Rufs einer Website. Welcher Fall bei welcher Domain vorliegt, lässt sich von außen nicht feststellen. Als Beispiel für den Missbrauch des Rufs nennt Google ausgerechnet Casino-Inhalte, etwa „a low-quality, third-party advertising page about ‚best casinos‘“ auf einer medizinischen Website. Seit dem 30. August 2026 wirken manuelle Maßnahmen nach der Richtlinie zum Ruf einer Website für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nicht mehr. Google kann den betroffenen Bereich stattdessen vom Rest der Website trennen, sodass er mit der Zeit eigenständig rankt. Den Hintergrund haben wir in unserem Beitrag zu Bewertungsprofilen in denselben Suchergebnissen beschrieben.

Als Ursache für unsere Befunde ist das nicht belegbar. Bei derselben Suche aus der Schweiz, die nicht zum EWR gehört, stehen ebenfalls Seiten auf fremden Domains oben, darunter die eines Theaters.

Ratgeber, die Legalität versprechen

Wer zweifelt, fragt nach. Bei „wetten ohne“ schlägt Google selbst „wetten ohne lugas legal“ vor, auf Platz 5. Wir haben die Treffer auf drei solche Fragen geprüft und jede erreichbare Seite gelesen: „wetten ohne lugas legal“, „sind wettanbieter ohne oasis legal“ und „sportwetten ohne oasis legal“. Das ergab 15 verschiedene Seiten.

Nur 3 dieser 15 Seiten sagen klar, dass solche Angebote in Deutschland nicht erlaubt sind. 8 versprechen Legalität oder beschreiben eine Grauzone. 4 waren nicht abrufbar, bei 3 davon steht die Grauzonen- oder Legalitätsaussage aber schon im Vorschautext bei Google. Einige Beispiele im Wortlaut:

  • „Ja, Wettanbieter ohne OASIS sind in Deutschland legal.“ (Vergleichsseite für Sportwetten)
  • „Somit sind Sportwetten trotz OASIS Sperre dort weiterhin legal möglich.“ (Vergleichsportal, Platz 1 bei „sportwetten ohne oasis legal“)
  • „Daher wollen wir endlich mit den falschen Informationen aufhören und klar angeben, dass Wettanbieter ohne OASIS legal in Deutschland zu nutzen sind.“ (Infoportal zur Fußball-WM 2026)
  • „Die Verwendung von Anbietern ohne deutsche Genehmigung befindet sich in einer juristischen Grauzone.“ (Vorschautext bei Google, Platz 1 bei „sind wettanbieter ohne oasis legal“, Unterseite der Palliativdienst-Domain)

Die Behörde widerspricht dem ausdrücklich. In ihren Antworten für Spielende schreibt die GGL: „OASIS ist ein Schutzsystem, das legale Anbieter verpflichtend nutzen müssen, um Spielsucht zu verhindern. Anbieter ohne OASIS-Anschluss sind illegal.“ Eine Lizenz aus Malta oder Curaçao ändert daran nichts. Der Glücksspielstaatsvertrag verlangt eine Erlaubnis der zuständigen deutschen Behörde.

Wie groß die Nachfrage ist

Für acht Suchbegriffe rund um „ohne OASIS“, „ohne LUGAS“ und „ohne Lizenz“ schätzt Google Ads zusammen rund 16.640 Suchen im Monat, gemittelt über September 2025 bis August 2026. Für fünf Begriffe, mit denen man die Erlaubnis eines Anbieters prüft, etwa „whitelist glücksspiel“ oder „ggl whitelist“, sind es zusammen rund 2.550, wobei für einen der fünf kein Wert vorlag. Das Verhältnis liegt bei 6,5 zu 1. Nach den Clickstream-Werten desselben Datendienstes sind es 3,2 zu 1.

Beide Zahlen haben Grenzen und gelten nur für die ausgewählten Begriffe. Google-Ads-Werte sind gerundete Schätzungen. Der größte Einzelwert, „casino ohne oasis“ mit 9.900 im Schnitt, wird von einem einzigen Monat getrieben: Im April 2026 standen dort 74.000 Suchen, die übrigen elf Monatswerte liegen im Mittel bei rund 4.455. Auffällig ist zudem „sportwetten ohne oasis“ mit 9.900 Suchen im August 2026 nach 1.900 im Juli. Woran das liegt, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.

Die Richtung deckt sich mit dem, was unser CEO dem RND gesagt hat. Bei den ausgewählten Begriffen wird der Weg um den Schutz herum deutlich häufiger gesucht als der Nachweis einer Erlaubnis. Für die gesamte Nachfrage nach Glücksspiel lässt sich daraus kein Verhältnis ableiten. Die Suchvorschläge bieten den Umweg zudem schon bei einer Eingabe wie „wettanbieter“ an.

Was in Großbritannien und Spanien anders aussieht

Die gleiche Messung haben wir mit 14 englischen Eingaben für Großbritannien und 11 spanischen für Spanien wiederholt. Nach derselben engen Abgrenzung fielen in Großbritannien 7,3 Prozent der Vorschläge in diese Gruppe, etwa „casino not on gamblock“. In Spanien waren es 4,7 Prozent, etwa „casas de apuestas sin licencia“. Selbst mit allen mehrdeutigen und zusätzlichen Formulierungen wie „without id“ oder „not registered in uk“ bleibt Großbritannien mit 22,8 Prozent unter dem engen deutschen Wert von 33 Prozent. Spanien kommt dann auf 15,5 Prozent.

Der deutlichste Unterschied liegt bei den Vorschlägen mit Domainnamen. In Großbritannien fanden wir keinen einzigen Vorschlag mit Domainnamen. In Spanien waren es 5, alle mit derselben Adresse. In Deutschland waren es 75.

Zwei Eingaben fallen in Großbritannien auf: „betting sites not on“ und „bookies not on“ lieferten gar keine Vorschläge. Das passt zu einem Filter für das britische Sperrsystem GamStop. Belegen lässt es sich damit nicht, zumal „casino not on“ weiter „casino not on gamestop“ vorschlägt, in abweichender Schreibweise. Eine öffentliche Quelle, nach der Google in Großbritannien oder Spanien Vorschläge zu unerlaubtem Glücksspiel unterdrückt, haben wir nicht gefunden.

Belegt ist, wie die britische Aufsicht mit Suchmaschinen arbeitet. Die Gambling Commission hat seit April 2024 laut ihrem im März 2026 aktualisierten Bericht 339.757 Adressen zur Entfernung an Google gemeldet. Über Google und Bing zusammen wurden 287.961 Adressen entfernt. Ihre Forschung beschreibt die Suchmaschine als wichtigsten Weg gesperrter Spielender zu illegalen Seiten: „The main pathway into illegal websites is through the use of search engines“. In den Niederlanden kritisierte ein Gütesiegel für Affiliates im September 2026 Vorschläge wie „online casino zonder Cruks“, also ohne das niederländische Sperrregister. Das Muster ist international dasselbe.

Was die Aufsicht erreicht hat und wo ihre Hebel enden

Bei den Anzeigen hat die GGL viel erreicht. Google hat seine Werberichtlinie für Deutschland zum 25. September 2024 geändert. Seitdem können nur Veranstalter und Vermittler mit GGL-Erlaubnis eine Zertifizierung für Glücksspielwerbung beantragen, Vergleichsseiten sind ausgeschlossen. Nach ihrer Prüfung erklärte die GGL im November 2024, dass keine bezahlte Werbung für unerlaubte Angebote mehr auf Googles Ergebnisseiten erscheine.

In derselben Mitteilung nannte die Behörde die offene Stelle: „Eine Herausforderung bleibt die Einschränkung der Werbemöglichkeiten illegaler Glücksspielanbieter im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO).“ Illegale Anbieter erreichten über „intensives Linkmarketing oder aber die Manipulation des Suchmaschinenrankings“ weiter Sichtbarkeit in der organischen Suche. Im Tätigkeitsbericht 2025 schreibt die GGL, illegale Angebote erzielten ihre Reichweite maßgeblich über externe Dienstleister, digitale Werbestrukturen und Suchmaschinenoptimierung. Eine große Suchmaschine habe auf Anordnung der GGL einen illegalen Anbieter von Zweitlotterien aus den Ergebnissen entfernt. Suchvorschläge erwähnt der Bericht nicht.

Zum fünfjährigen Bestehen meldete die GGL am 22. September 2026, dass 2025 insgesamt 1.843 illegale Websites wegen Untersagungen oder Netzsperren aus Deutschland nicht mehr erreichbar waren. Zudem wurden 178 Websites von etablierten Zahlungswegen abgeschnitten. Für Sportwetten führt die amtliche Whitelist mit Stand 2. Oktober 2026 nach unserer Zählung 27 Erlaubnisinhaber mit 33 Internetseiten.

Netzsperren über Internetzugangsanbieter sind bislang begrenzt. Das Bundesverwaltungsgericht hat am 19. März 2025 entschieden, dass solche Anbieter nur bei eigener Verantwortlichkeit zur Sperre verpflichtet werden können (Az. 8 C 3.24). Die Länder haben darauf reagiert: Der im März 2026 unterzeichnete Zweite Staatsvertrag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrags verzichtet auf dieses Kriterium. Bayern und Brandenburg haben ihn ratifiziert. In Kraft tritt er am Tag nach der Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde. Eine Bekanntmachung über das Inkrafttreten haben wir bis zum 6. Oktober 2026 nicht gefunden. Der neue Wortlaut spricht von der Entfernung oder Sperrung unerlaubter Angebote. Suchvorschläge erwähnt er nicht.

Was „ohne OASIS“ und „ohne LUGAS“ für dich heißt

Ein Anbieter ohne OASIS-Anschluss gleicht nicht ab, ob du gesperrt bist. Die Sperre, die dich vom Spiel fernhalten soll, greift dort nicht. Ein Anbieter ohne LUGAS-Anschluss kennt kein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit. Bei erlaubten Anbietern liegt es grundsätzlich bei höchstens 1.000 Euro im Monat.

Ohne deutsche Erlaubnis fehlt außerdem die Aufsicht, die die GGL über erlaubte Anbieter führt. Das erschwert es, bei Streit um eine Auszahlung zu deinem Geld zu kommen. Strafrechtlich sieht § 285 StGB für die Beteiligung an unerlaubtem öffentlichem Glücksspiel Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen vor. Die GGL liest das so, dass die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel strafbar ist. Ob sich jemand strafbar macht, hängt vom Einzelfall ab, etwa davon, ob vorsätzlich gehandelt wurde. Wie oft das verfolgt wird, wissen wir nicht.

Umgekehrt gibt es Rechte. Der Europäische Gerichtshof hat am 16. April 2026 entschieden, dass Spielende verlorene Einsätze von Anbietern zurückfordern können, wenn die Spiele in ihrem Wohnsitzstaat verboten waren, auch bei einer Lizenz aus einem anderen EU-Staat (C-440/23). Der Fall betraf die Zeit vor dem heutigen Staatsvertrag. Ob ein Anspruch im Einzelfall besteht, entscheiden die nationalen Gerichte. Der Bundesgerichtshof will am 28. Januar 2027 in zwei Verfahren zur Erstattung von Verlusten aus unerlaubtem Online-Glücksspiel entscheiden (I ZR 216/25 und I ZR 78/25).

Was du selbst tun kannst

Ob ein Online-Anbieter in Deutschland erlaubt ist, steht in einer einzigen Liste. So prüfst du es:

  • Öffne die amtliche Whitelist der GGL.
  • Suche dort nach der genauen Internetadresse, nicht nur nach dem Markennamen. Die Liste führt Erlaubnisse je Internetseite.
  • Prüfe die Erlaubnisart. Die Liste führt Sportwetten, virtuelles Automatenspiel und andere Spielformen getrennt.
  • Steht die Adresse nicht in der Liste, ist das Angebot nicht als erlaubt ausgewiesen, egal welche Lizenz die Fußzeile zeigt. Spiel dort dann nicht.

Einen Suchvorschlag kannst du bei Google melden: Unter der Vorschlagsliste steht auf dem Desktop der Link „Unangemessene Vervollständigungen melden“.

Wenn du merkst, dass du nach Wegen um eine Sperre suchst, ist das ein Signal. Beratung ist anonym und kostenlos möglich, zum Beispiel über check-dein-spiel.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Weitere Anlaufstellen stehen auf unserer Seite zur Spielsuchthilfe.

Unsere Methode und ihre Grenzen

Die beiden Suchbegriffe aus den Screenshots haben wir am 6. Oktober 2026 manuell bei Google eingegeben, in einer Browser-Sitzung ohne Anmeldung und ohne gespeicherte Cookies über einen deutschen Internetanschluss. Die Adressen haben wir vor der Aufnahme geschwärzt. Die vollständige Messung lief am selben Tag automatisiert über einen Datendienst, der Google entpersonalisiert abfragt: ohne Suchverlauf, ohne Anmeldung, auf dem Desktop und mit dem Google-Standort des jeweiligen Landes. Das sind 45 Eingaben für die Suchvorschläge, 10 Suchen für die Treffer und eine Abfrage für das Suchvolumen. Mit zwei Wiederholungen nach Fehlern sind das 58 Rohantworten, alle archiviert. Die drei Legalitätsfragen und die Vergleichssuchen aus der Schweiz haben wir am selben Tag zusätzlich abgefragt und ebenfalls archiviert.

Als Umgehung zählen Vorschläge mit „ohne“ plus OASIS, LUGAS, Lizenz, Limit oder Sperre, im Englischen und Spanischen die entsprechenden Begriffe wie „not on GamStop“ oder „sin licencia“. Mehrdeutige Zusätze wie Verifizierung, Anmeldung, Ausweis, Steuer oder Einschränkungen zählen wir getrennt, Bonusformeln wie „ohne Einzahlung“ gar nicht. Die Kategorie beschreibt den Wortlaut eines Vorschlags, nicht die Absicht der Suchenden. Als Vorschlag mit Adresse zählt einer mit Domainnamen, Flaggen-Emoji oder dem Operator „-d“. In Deutschland enthielten alle 75 einen Domainnamen, einer davon mit Leerzeichen statt Punkt. Wie diese Vorschläge entstehen, zeigt die Messung nicht. Eine Domain gilt als fremd, wenn ihre Startseite ein anderes Thema hat. Das haben wir für jede einzelne Domain durch Abruf geprüft.

Die Grenzen sind klar. Suchvorschläge ändern sich laufend und hängen von Ort, Gerät und Sprache ab. Was du in deinem Browser siehst, kann abweichen. Es ist eine Messung an einem Tag, keine Zeitreihe. Die Länder lassen sich nur eingeschränkt vergleichen, weil Sprache, Suchbegriffe und Zahl der Eingaben verschieden sind. Die Abrufe der fremden Seiten haben wir am selben Tag über einen deutschen Internetanschluss wiederholt, mit demselben Ergebnis. Ein Fehler bei direktem Aufruf heißt trotzdem nicht, dass Google dieselbe Seite zu sehen bekommt. Die Abrufe mit Google als Herkunft sind ein Indiz für eine gezielte Auslieferung, kein Beweis. Die Suchvolumen sind Schätzwerte. Domains, Anbietermarken und die Adressen aus den Vorschlägen nennen wir nicht.

Häufige Fragen

Ist Wetten ohne OASIS in Deutschland legal?

Nein. Erlaubte Anbieter müssen jede spielwillige Person mit der Sperrdatei abgleichen. Wer das nicht tut, hat keine deutsche Erlaubnis oder verstößt gegen sie. Die GGL schreibt dazu: „Anbieter ohne OASIS-Anschluss sind illegal.“ Eine ausländische Lizenz ersetzt die deutsche Erlaubnis nicht.

Warum schlägt Google „ohne OASIS“ überhaupt vor?

Laut Google beruhen die Vorschläge auf tatsächlichen Suchanfragen, Ergänzungen einzelner Wörter auch auf Wortmustern aus dem Web. Seine Richtlinien schließen gefährliche, hasserfüllte oder sexuell explizite Vorschläge aus, Glücksspiel ohne Erlaubnis nennen sie nicht ausdrücklich. Vorschläge mit Domainnamen und Flaggen sind auffällig. Ob jemand sie gezielt beeinflusst, lässt sich aus unserer Messung nicht feststellen.

Kann ich einen Suchvorschlag bei Google melden?

Ja. Google bietet in seiner Hilfe an, bestimmte Vervollständigungen zu deaktivieren, zu entfernen oder zu melden. Laut Google entfernen Teams Vorschläge, die gegen die Richtlinien verstoßen. Ähnliche Varianten nehmen sie gleich mit heraus.

Woran erkenne ich einen erlaubten Wettanbieter?

Nur an der amtlichen Whitelist der GGL. Stand 2. Oktober 2026 führt sie 27 Erlaubnisinhaber für Sportwetten mit 33 Internetseiten. Siegel, Lizenznummern in der Fußzeile oder Bewertungen auf Plattformen sind kein Nachweis.

Warum nennt dieser Beitrag keine Domains?

Weil die Nennung einen Weg öffnen würde, den der Beitrag beschreibt. Zehn der fremden Domains gehören zudem Betreibern wie dem Palliativdienst, deren Websites keinen erkennbaren Bezug zum Glücksspiel haben. Ob die Wettseiten mit Wissen der Betreiber erschienen sind, konnten wir nicht feststellen. Einen Vorwurf erheben wir nicht: Die Startseite des Palliativdienstes enthält kein einziges Wort zum Glücksspiel.

Warum berichtet ein Affiliate über dieses Thema?

Weil wir ein Interesse daran haben und es offenlegen. casino.de verdient an der Vermittlung zu Anbietern mit deutscher Erlaubnis. Jede Suche, die bei einem Angebot ohne Erlaubnis endet, geht dem erlaubten Markt verloren. Unsere Methode legen wir deshalb offen. Eingaben und aggregierte Messdaten geben wir Redaktionen auf Anfrage weiter, damit sie nachmessen können.

Unsere Einordnung

Drei Punkte, die so in keiner Quelle stehen und die wir aus der Messung ableiten.

Erstens: Google kann den Markt nach Erlaubnis unterscheiden. Bei den Anzeigen tut es das seit 2024 und die GGL bescheinigt die Wirkung. Suchvorschläge und organische Treffer laufen nach anderen Regeln. Dort reicht es, gesucht zu werden oder eine vertrauenswürdige fremde Domain zu nutzen.

Zweitens: Die Adressen in den Vorschlägen sind kein Randphänomen. Jeder vierte deutsche Vorschlag in unserer Messung trug eine. Nach der RND-Anfrage erklärte Google, die Vorschläge in diesem Fall entfernt zu haben. Bei „wetten“ war die Adresse danach verschwunden. Zwei Wochen später erschien sie bei einer anderen Eingabe, „fussball wetten o“, mit Leerzeichen statt Punkt.

Drittens: Ein Sperrsystem wirkt nur dort, wo abgefragt wird. OASIS schützt beim erlaubten Anbieter. Der erste Ort, an dem eine gesperrte Person heute den Umweg angeboten bekommt, ist das Suchfeld, noch bevor sie ein Ergebnis gesehen hat.

Fachliche Einordnung

Fachliche EinordnungPosition des Herausgebers
Suchmaschinen

Google bedient das, was gesucht wird. […] Wenn Sie mich nach meiner Einschätzung fragen: Dem muss Big Tech einen Riegel vorschieben.

Dr. Andreas Ditsche

Dr. Andreas DitscheCEO iGaming.com · gegenüber RND, 23. September 2026

Andreas Ditsche ist unser CEO und zugleich Hochschullehrer. Wir kennzeichnen seine Einschätzung deshalb als Position des Herausgebers und nicht als unabhängige Expertise.

Seine Aussage, Google unterdrücke solche Vorschläge in Großbritannien und Spanien, deckt unsere Messung nur teilweise. Weniger Umgehungs-Vorschläge und kaum Vorschläge mit Domainnamen haben wir dort gemessen. Eine gezielte Unterdrückung durch Google ließ sich weder messen noch in einer öffentlichen Quelle finden.

Offenlegung

casino.de wird von der iG casino.de GmbH betrieben und gehört zur iGaming.com Group. Das Angebot erzielt Einnahmen über die Vermittlung an geprüfte Anbieter mit deutscher Erlaubnis. Dieser Beitrag enthält keine Anbieterlinks. Unser CEO Dr. Andreas Ditsche leitet die iGaming.com Group. Seine Aussagen in diesem Beitrag stammen aus dem RND-Bericht vom 23. September 2026.

Quellen und Referenzen

Über den Autor
Christian Ott
Christian Ott
Redaktionsleitung
Christian Ott verantwortet bei casino.de die Redaktionsleitung und wirkt an der Entwicklung mit. In der Produktentwicklung bei iGaming.com arbeitet er seit über fünf Jahren direkt am Produkt und kennt Anbieter, Markt und Regulatorisches aus dem Tagesgeschäft. So hat er den iGaming-Markt täglich im Blick, sein Wissen ist hier längst unverzichtbar und immer aktuell. Angefangen hat seine Laufbahn 2014 als SEO-Freelancer und Webmaster.