Dieser Artikel, erschienen in der britischen Zeitung 'The Guardian', handelt von einem online Pokerspieler. Meiner Meinung nach eine wohl geschriebene und sehr lockere Geschichte über Online-Poker. Stellen Sie sich einen völlig neuen online Pokerspieler an seinem ersten Tag in dieser Rolle vor.
Täglich werden in Großbritannien ungefähr £40 Millionen in Online-Pokerräumen gewettet. Tim Dowling zieht seine Kreditkarte und begibt sich daran, die am schnellsten wachsende Mode der Nation zu probieren.
"Es ist mir nie aufgegangen, warum jemand virtuell wetten möchten sollte. Alles daran ist unwirklich - von dem Punkt abgesehen, wo einem das Geld genommen wird. Warum also nicht einfach das Geld wegschmeißen und sich das lästige Mausklicken sparen? Die Nachricht aber, dass Poker das am schnellsten wachsende Online-Glücksspiel sei, ließ mich die Sache ein zweites Mal überlegen. Schätzungsweise werden derzeit täglich £40 Millionen in Online-Pokerräumen gewettet. Eine sechsfache Steigerung in der Anzahl der Spieler im Laufe des Jahres 2003 wird sich wahrscheinlich dieses Jahr wiederholen. Wie jeder weiß, ist Poker kein Glücksspiel, sondern ein Spiel, das Schlauheit, mathematischen Sinn, Psychologie - und Glück fordert. Endlich kann der Poker-Experte von zu Hause seine Tätigkeit ausüben, die Anfänger aus der Privatheit seines Schlafzimmers schröpfen. Leider bin ich kein Poker-Experte, nicht einmal ein leidlicher Spieler. Überhaupt bin ich online recht ungeschickt. So ging der Versuch, mich als Pokerspieler beim William Hill Poker zu registrieren vom Anfang an schief. Ironischerweise weil ich schon ein Online-Konto bei William Hill besitze, auf einer nunmehr ungültigen Kundenkarte, mit der weder Einlagen zu machen waren, noch einen bescheidenen, weit zurückreichenden Kredit ausgezahlt werden konnte. Nach einem schnellen Anruf an den Kundenservice und nach einem längeren Gespräch mit einer Frau, die Gelegenheit fand, etwa ein Dutzend Male "Ich werde Sie nicht mehr lange aufhalten!" zu sagen, konnte ich mich einloggen.
Im Internet hat man keine Pokermiene, was besonders für uns sehr erfreulich ist, die gerne aus Freude jauchzen, wenn uns ein 4er-Pasch ausgeteilt wird. Das einzige Mittel, womit man seine Gegenspieler einschüchtern und verwirren kann, ist mit dem Online-Spielernamen. Dieser muss sehr sorgfältig ausgewählt werden. Nach einiger Überlegung entschied ich mich für LordLucan - herzlos, berühmt für sein Unglück im Spiel (das müsste die Leute anlocken) und mit einem guten Grund auf Abstand zu wetten. Leider war der Name schon belegt, so viel ich weiß von dem authentischen Inhaber selbst. Meine zweite Wahl, TroubledLoner, hatte zu viele Lettern. Schließlich begnügte ich mich mit der einfachen aber beunruhigenden Mischung aus Drohung und Angsthase: BadChris.
In der Rolle als BadChris beabsichtigte ich, sämtliche Fünf-Karten Draw Poker-Tischen, einen nach dem anderen, aufzusuchen, bis aus meiner ursprünglichen Einlage ein ansehnliches Vermögen geworden war und in meinem Kielwasser nur noch pleite gegangenen Jünglinge und Hausfrauen zu finden waren. Es gab aber keine Fünf-Karten-Tische. Draw Poker ist anscheinend nicht im Angebot online, und dabei ist dies die einzige Art von Poker, die ich kenne. Omaha wird angeboten, aber ich habe nicht einmal eine Ahnung, was das ist. Am Ende fand ich einen Sieben-Karten Stud-Tisch, wo ein Spiel im Gang war und es einen freien Sitz gab. Lässig und entspannt ging ich heran und setzte mich (klick!), während meine $50 in Spielmarken (es wird nur mit amerikanischem Geld gespielt; denn derzeitige Glücksspielgesetze verhindern das Anbieten von Poker-Webseiten von Großbritannien aus) über meinem Stuhl flossen. In dem laufenden Kommentar-Feld neben dem virtuellen Tisch erschienen die verheißungsvollen Worte "BadChris nimmt Platz". Auf der ganzen Welt, dachte ich, müssten die Leute jetzt ein extra Mal schlucken.
Als Nächstes folgten ein Aufblitzen und ein Heulen, die nicht wesentlich zu meinem Verständnis von Sieben-Karten Stud beitrugen. Die dem mit virtuellen Tischen Erfahrenen ohne Zweifel einleuchtende Grafik war nur schwer interpretierbar: wer tut hier was? Warum geschieht alles so schnell? Jedes Mal, wenn ich dran war, nötigte mich eine Box, die mir sämtliche Optionen präsentierte: MITGEHEN, ERHÖHEN, FALTEN. Die Box blinkte auf sehr insistente Weise, während ich versuchte herauszufinden, was ich auf der hand hatte. Ich wählte blindlings. Das Telefon klingelte. Zu dem Zeitpunkt hatten sich meine $50 in $10,20 verwandelt. Ich machte den Computer aus, ging in ein anderes Zimmer und dachte darüber nach, was ich getan hatte.
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Die Story eines unerfahrenen online Poker-Spielers: Poker online spielen