Interview mit 888 Casino On Net (2003)

Vielleicht hatten Sie auch die Gerüchte des größten aller Online-Casinos - 888.com Casino On Net - gehört: Wurde es von der Mafia betrieben, .....oder von jemandem aus der Pornoindustrie?

Niemand schien Bescheid zu wissen, als ich im Jahre 2003 herumfragte. Zunächst wurde mir gesagt, dass Casino On Net von 8 riesigen Firmen betrieben würde und dass es überhaupt keinen Profit machte - was natürlich die Ausmaße der Werbeaktionen von Casino On Net erklären würde. Endlich fand ich dann einige Antworten in einem Artikel in Business2.com - nämlich in einem Interview mit Casino On Net, der bei weitem weltgrößten Online-Casino Website.

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Unten folgt der noch sehr interessante Artikel über Casino On Net.

Mr. Big des Online-Glücksspielens

John Andersons Internet-Casino ist eine regelrechte Profitmaschine. Könnte er bloß die US-Regierung davon überzeugen, dass das Online-Wetten legalisiert werden sollte.

"Diese Industrie hat etwas Heimlichtuerisches an sich," warnte einmal ein Investitionsbankier von Merrill Lynch (MER). Eines Novemberabends in der Lobby des Londoner Landmark Hotels, wo der zurückhaltende Betreiber des weltgrößten Online-Casinos in kurzem erscheinen wird, werden die Worte des Bankiers bekräftigt.

Die wenigen Leute im Internet-Glücksspielsgeschäft, die den Betreiber tatsächlich getroffen haben, lehnen es ab, über ihn zu reden. Anfragen per E-mail an seine Organisation, die unter Namen wie Cassava Enterprises und Virtual Holdings weltweit verstreut ist, werden nicht beantwortet. Es hat Wochen gedauert, bloß seine Identität festzustellen; und in die Umfrage mischten sich Gerüchte über russische Mafiabeziehungen und Finanzen von der Pornoindustrie. Nie äußert er sich zu der Presse. Jetzt aber wird jeden Augenblick der Betreiber ankommen, wahrscheinlich in einem Rolls Royce, mit Goldketten umgehängt und einer Folgschaft von Bodyguards. Noch wahrscheinlicher wird Mr. Big gar nicht erscheinen.

Dann spaziert John Anderson herein. Mit buschigen Haaren und einer runden Brille hat er eine schwache Ähnlichkeit mit John Lennon. Er kommt allein, lässig aufgeknöpft, und spricht mit der sachlichen, klinischen Stimme eines Bücherrevisors - der er in der Tat ist. Jene Gerüchte von Mafia und Pornoindustrie sind allem Anschein nach Unsinn. In Landmarks Lounge eine Soda schlürfend erklärt Anderson wie die Lektionen aus 26 Jahren als ein respektierter Glücksspiel- und Hoteldirektor den Betrieb geformt hat, dem er jetzt bevorsteht, einer erstaunlichen Profitmaschine namens Casino-on-Net.

Andersons Casino on Net erntete im vergangenen Jahr rund $50 Millionen, so viel wie ein großes Las Vegas Casino und mehr als sämtliche Internetfirmen - eine handvoll ausgenommen. Analytiker schätzen den 2002 Umsatz auf $200 Millionen und stellen fest, dass die Firma das größte Casino in der schnellwachsenden, $4,2 Milliarden-jährlichen, online Glücksspielindustrie sei. Anderson hat im Alter von 52 Jahren eine besonders raffinierte Weise gefunden, die Zu-Hause-Spieler zur Ader zu lassen. "Massiver Geldumlauf, keine Distribution, keine Immobilien," sagt Anderson. "Das perfekte Geschäft."

Freilich findet man ein paar Schwachstellen. Mehr als die Hälfte der Kundschaft von Casino on Net wohnt in den USA, und das dortige Justizministerium bestätigt, dass es eine rechtsbrecherische Handlung sei, Online-Wetten aus den USA entgegenzunehmen. Kritiker im Kongress eifern gegen das moralische Übel des Online-Wettens, fordern strengere Gesetze und bezichtigen sogar die Internet-Casinos des Geldwaschens für Terroristen.

"Sehe ich aus wie ein geldwaschender Terrorist?" fragt Anderson in dickem schottischen Dialekt. Dann grinst er. "Ich weiß es nicht," sagt er. "Vielleicht." ........... Oder vielleicht nicht. Die Sache ist, dass 888 Casino On Net und Andersons ganze Industrie mit einem monumentalen Image-Problem kämpft, das seine Geldmaschine tödlich bedroht.

Aus dem Grund hat er jetzt eines der bisher hochambitioniertesten Projekte lanciert: Er will die online Glücksspielindustrie stubenrein machen.

Er wirbt für Regulation - zum Entsetzen vieler seiner Kollegen - in der Hoffnung, dass die Botschaft "legalisiern, regulieren" die Behörden auf Abstand halten werden. Aber ganz grundlegend ist er durch die anspruchsvolle und offene Weise, in der er sein Geschäft aufbaut, darum bemüht, die Online-Glücksspielindustrie als etwas anderes als eine dunkle Provinz der Gangster, Ex-Häftlinge und gelegentlicher Flüchtlinge darzustellen. "Wir müssen sauberer als sauber sein, transparent," sagt er.

Die Industrie ins Tageslicht zu ziehen, wird nicht einfach sein. Aber die Perspektiven sind verheißungsvoll. Eine vollkommen legalisierte Online-Spielindustrie wäre nicht ein $4 Milliarden-jährliches Geschäft; denn es könnte viele der $150 Milliarden abziehen, die in Las Vegas - und wo sonst auf legale Weise gewettet werden kann - spendiert werden. Anderson hat schon die Bahn gebrochen. Und in seinem Traum von einem durchregulierten und stigmafreien Online-Glücksspiel ist 888 Casino On Net keine $200 Millionen-Geschäft, sondern ein Milliarden-Betrieb - wenigstens. "Die Gunst der Gelegenheit ist wahrlich enorm," sagt er. "Sie ist exponentiell."

888 Casino On Net wurde im Jahr 1996 gegründet an einem Zahnarztkongress - ausgerechnet. Der Kongress tagte zwar in Monte Carlo, und dort unter Baccarat-Tischen und Roulette-Kesseln stellte ein israelischer Zahnarzt, Aaron Shaked, fest, dass ein Web-Casino zu betreiben einbringlicher wäre, als Backenzähne auszuziehen. Er brachte die Idee zu seinem Bruder, der ein paar Computeringenieure kannte. Die vier Gründer belasteten ihre Häuser mit zusätzlichen Krediten, um dem Betrieb einen Startkapital zu geben und um eine $100.000 Spielanbieter-Lizenz von der Insel Antigua zu erwerben.

Hunderte von Sites lancierten zu ziemlich gleicher Zeit mehr oder weniger dieselben Spiele in etwa gleicher Präsentation, aber dadurch dass 888 Casino on Net fast seinen ganzen Profit in die Entwicklung eines hoch entwickelten Webvermarktungssystems investierte, setzte es schnell seine Konkurrenten ab. Die echtzeit Tracking-Software, die von Kandidaten des berühmten isrealischen Technion Instituts entwickelt wurde, überwachte gleichzeitig die Resultate von Banneranzeigen und Popups auf tausenden von Webseiten und ermöglichte somit eine sofortige Verstärkung der Präsenz auf hochfrequentierten Seiten, während auf die weniger aktiven verzichtet wurde. Während die Konkurrenten Millionen für Offline-Werbungen und schicke Webseiten ausgaben, entwickelte 888 Casino on Net dieses mächtige technologische Vakuum in der Jagd auf einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung, die gerne oft spielt. Die Wetten wurden reihenweise abgeschlossen. Mehr als 7 Millionen Menschen haben die Software von 888 Casino on Net heruntergeladen. Derzeit hat die Firma über 300.000 aktive Kunden.

Am Anfang des Jahres 2000 erkannten die Gründer das Bedürfnis nach einem erfahrenen Direktor und wandten sich an Anderson. Sein erster Job, als zwölfjähriger, bestand darin um 3 Uhr morgens den Fabrikarbeitern des einheimischen Dundee heiße Brötchen zu liefern, und er ging nie zur Uni. In den späten 1960ern sang er und spielte Gitarre in einer Rock Band, die einen Moment der Unsterblichkeit erlebte, als sie auf demselben Plakat wie eine Gruppe mit künftigen Mitgliedern von Led Zeppelin auftrat - und Andersons Band stand für die Hauptnummer. Seine wirkliche Gabe zeigte sich aber in dem Talent für Zahlen, das ihm einen Job bei Ladbrokes als Kassierer einbrachte, dem Wettgiganten, der ein zweitklassiges Buchmachen in ein angesehenes Geschäft mit Läden über ganz Großbritannien verwandelte. Er machte einen schnellen Aufstieg und wechselte zur Hotelsparte über, als Ladbrokes die Hilton Group PLC ankaufte, und schloss damit ab, die Immobilien-Abteilung des Betriebes zu leiten. Er verließ die Firma im Jahre 1996. Durch israelische Geschäftskontakte traf er die extrem privaten Gründer von 888 Casino On Net.

"Ich erfüllte die Erwartungen," sagt Anderson. "Sie dankten 100% ab."

Sie mögen zwar von der Glücksspielswirtschaft abgedankt haben, aber viele andere blieben - insbesondere in Antigua, wo 888 Casino On Net lizenziert war. Als ein niedlicher karibischer Ort mit einer großzügigen Auslieferungsgesetzgebung und einer ausgeprägten Toleranz gegenüber Glücksspielen war Antigua zum globalen Hauptquartier des Online-Wettens geworden - zum Vegas der virtuellen Welt. Zudem hatte es einen Schlag von Personen zugezogen, die die besondere Aufmerksamkeit der Anti-Online-Glücksspielskräfte genossen. Denn nicht alle denken wie 888 Casinoonnet. Da gibt es zum Beispiel Jack Stroll, einen Marketingzauberer aus Montreal. Stroll gründete 1997 in Antigua das Golden Palace Casino, angeblich das zweitgrößte Web-Casino.

Mitte der 1990er leitete er ein zweifelhaftes Unternehmen, das die Kunden mit ganz fabelhaften Sonderangeboten bestürmte, die aber laut kanadische Behörden über die letzte Ausschussware deckten. Er erkannte sich 1999 'irreleitenden Telemarketings' schuldig, und er und seine Firma zahlten eine Rekordbuße von $300.000.

Ein anderer Antigua-Pionier, William "Billy" Scott, lancierte Intercasino. Scott, ein Buchmacher aus Toledo (Ohio), der 1984 wegen Betrügerei inhaftiert wurde, wurde 1998 erneut von US-Anklägern der Veranstaltung von illegalen Online-Sportwetten bezichtigt. Seitdem befindet er sich auf der Flucht. Steve Adkins vertrat eine Zeit lang die Rolle als Führungskraft der 'Online Players Association'. Sein wirklicher Name, zeigte es sich, ist Sam Alvin Ashley Jr. Seine kriminelle Vergangenheit umfasst angeblich Geldfälschung und ungültige Schecks. 2001 wurde er nach 17 Jahren auf freiem Fuß von den Behörden in Ohio ertappt und erwartet derzeit das gerichtliche Urteil über die Anklage der Steuerhinterziehung und des Betrügens einer von ihm geleiteten Wohltätigkeitsorganisation.

Stroll behauptet, dass er in der Telemarketingsache für schuldig plädierte, nur um die Kosten des Prozesses zu vermeiden, und er bestreitet fortwährend sich irgendeine Schuld zugezogen zu haben. In der Zwischenzeit ist Golden Palace in dem Kahnawake-Reservat des Mohawk Indianerstamms in Kanada neu lizenziert worden. Ein Sprecher Scotts teilt mit, dass er Intercasino verkauft habe; die neuen Besitzer konnten zu einer Ausage nicht erreicht werden. Auch nicht Ashley konnte erreicht werden.

Indes kommen ständig schlüpfrige wenn auch rechtschaffene Anbieter hinzu. DrHo888, noch ein Antigua Casino, zeigt via Webcam Bikinigekleidete Dealers, die monatlich einen $50 'Ausschnitt-Bonus' erhalten und die via die Chatfunktion mit den Spielern flirten.

Die Schamlosigkeit der Antigua-Rotte feuerte das Durchgreifen der US-Regierung gegen das Online-Wetten nur an. Die Maßregelung hatte zunächst nur die Sportwetten im Visier gehabt. Die elektronische Entgegennahme von Sportwetten ist ausdrücklich verboten. Die Legalität von Online-Casinos ist eine dunklere Frage. Das Justizministerium verkündet, dass sie illegal seien, aber laut einem föderalen Berufungsgericht im November 2003 verbietet sie derzeit keine Gesetzesbestimmung. Wegen der ungeregelten Lage sind Anderson und andere Online-Casino-Anbieter noch keiner kriminellen Handlung bezichtigt worden. Und aus dem selben Grund hat der Republikaner aus Iowa, Jim Leach, und seine Alliierten sich veranlasst gefühlt, eine Gesetzesmaßnahme vorzuschlagen, die jegliche Art von Online-Wetten endgültig verbieten würde. Viele US-Banken sind dem Druck gewichen und blockieren jetzt den Gebrauch von Kreditkarten, um Einzahlungen an Glücksspielstätten vorzunehmen.

Anderson wusste, als er dem CasinoOnNet beitrat, dass er die Prohibitions-Verfechter nie vom Leibe halten könnte, wenn er sich nicht von den schäbigen Elementen des Geschäftlebens distanzieren würde. "Die Zeit, wo man mit einem Laptop in Antigua ein Geschäft aufmachen konnte, ist für immer vorbei," sagt er. Dies erklärt teilweise, warum er neulich an einem stürmischen Nachmittag in Mietbüros am Fuße des Gibraltarfelsens Marlboro Lights in Ketten rauchte.

Diesen Sommer wird 888 Casino On Net seinen Lebensnerv nach dem britischen Bezirk Gibraltar übersiedelt haben. Gibraltar ist auch eine Steueroase, aber eine viel rühmlichere als die meisten anderen. Zudem hat Anderson dort Zugang zu etlichen Geschäftsvorteilen praktischer Art, mit Einschluss moderner Kommunikationssysteme. Unter den Lizenzinhabern von Gibraltar befindet sich auch Ladbrokes. "Gibraltar ist Blitzsauber," sagt Anderson.

Anderson baut zurzeit ein 7000m2 Hauptquartier in Gibraltar mit Blick auf das Mittelmeer. 350 Mitarbeiter werden ein 24-stündiges Kundendienstzentrum besetzen und eine Serverfarm mit 200 Computern warten. Kein Online-Casino hat je über solche technologische Kräfte verfügt, berichten Leute aus der Spielindustrie.

Obwohl die Einrichtung bis jetzt nur noch halb fertig steht, präsentiert Anderson schon eine ganz fertige Vision des Geschäftsmodells, das hier unter Dach sein soll. Er vertritt die Meinung, dass Online-Wetten dem hochgelobten Ideal des virtuellen Betriebes am nächsten komme. Die Perspektiven sind unendlich -- Die Kosten sind fast die gleichen, egal ob man 300.000 oder 300 Millionen Kunden hat. Die Produktpalette zu erweitern, fordert meistens nur eine Justierung eines Softwarecodes. Und Anderson und Casinoonnet teilt mit den übrigen Glücksspielanbietern zusammen den ultimativen Vorteil: am Ende gewinnt immer das Haus.

Der wichtigste Aktivposten von Andersons 888 Casino-On-Net, laut Personen, die ihm nahe stehen, ist eine meisterhafte Beherrschung der wichtigsten Eigenschaft in dem Glücksspielgeschäft: jedem Spieler das Gefühl zu vermitteln, dass er ein geschätztes Mitglied eines exklusiven Klubs ist.

In Las Vegas nennt man es den Kunden "streicheln", wozu ein Strom von Werbegeschenken dient: von Poker-Spielmarken bis zu Cocktails. Anderson kann freilich keine Cocktails im Internet ausschenken, aber mit seinem Hintergrund in der Spiel- und Hotelindustrie hat er ein natürliches Gespür dafür entwickelt, wie er Beziehungen zu seinen Kunden knüpft, damit sie zurückkehren, selbst wenn sie verlieren. Und dazu hat er ausgerechnet, wie er die Macht des Internets nutzt, so feste Bindungen mit den Spielern zu schmieden, von denen ein Offline-Casino nur träumen kann.

Als erstes muss er die Kunden finden. Deshalb wendet Casino-on-Net jährlich $40 Millionen für Rich-Media Webanzeigen auf, laut Nielsen/Net Ratings mehr als jede andere Firma außer Hewlett-Packard, SBC Communications und Microsoft. Aus eben dem Grund spielt seine Schlüsselsoftware, die die Beantwortungsfrequenz tausender Seiten täglich registriert, so dass Casino-on-Net zielgerichtet investieren kann, eine so konkurrenzfähige Rolle.

Aber selbst dann veranschlagen Analytiker, dass es $350 kostet, einen einzigen neuen Spieler einzupferchen. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, die einmal erworbenen Spieler festzuhalten. Hier wird Andersons Heer von Kundenmitarbeitern eingesetzt: die Kunden werden elektronisch überwacht, per E-mail und manchmal telefonisch kontaktiert - ständig gestreichelt.

Die Kundenmitarbeiter von Casino-On-Net bekommen sechs Wochen intensiven Unterricht. An einem neulichen Unterrichtstag erklärt Vahe Baloulian, ein ehemaliger Flugverkehrsinspekteur der Sowjetischen Armee und Experte der Glücksspielspsychologie, den aufmerksam horchenden Rekruten aus Brasilien, Japan und den Niederlanden, dass Online-Glücksspieler durchschnittlich $10 pro Stunde spendieren (d.h. verlieren) und dass sie dies als einen fairen Preis ansehen. Erstspieler verlieren aber oft $100 in wenigen Minuten und schließen daraus, dass das Spiel manipuliert worden ist. Diese Reaktion stellt ein Problem für 888.com Casino-On-Net dar, weil schlechte Erfahrungen im Internet schnell laufen. Die Lösung, erklärt Baloulian den Studenten, sei den unglücklichen Verlieren einen einmaligen $100 Bonus zu geben und ihnen zu sagen, dass sie nur $1 bis $3 pro Hand wetten sollen; sie werden sich dann stundenlang unterhalten.

"Wenn wir ihre Zeit des Vergnügens verlängern, knüpfen wir eine Beziehung," sagt Baloulian.

Um Kenntnisse zu gewinnen, wie den Kunden eine genussvollere Spielzeit bereitet wird, durchstöbern Marketingmitarbeiter eine Datenbank mit detaillierten Wettübersichten und biografischen Informationen der ganzen 7 Millionen Leute, die die Webseite besucht haben. Wenn ein Spieler zum Beispiel an seinem Geburtstag einloggt, wird Casino-On-Net ihm warhscheinlich eine Glückwunsch-Email oder ein Geschenk mit Bonusgeld zum verspielen schicken. Ein Spieler, der gerade eine Pechsträhne erlebt, empfängt vielleicht eine E-mail mit Gewinn-Tipps. Die Technologie setzt auch Anderson dazu in Stand, Meinungsumfragen unter den Spielern zu verbreiten; und Statistiker analysieren hinterher die Daten, um etwaige Veränderungen des Spielerbenehmens oder -Geschmackes festzustellen. "Mit reinem Vernehmen lässt sich kein Geschäft aufbauen," sagt er.

Das Niveau von persönlicher Kundenpflege, das Casino-On-Nets Technologie ermöglicht, reicht unglaublich viel weiter als das, was landbasierte Casinos anbieten können. Neulich musste Baloulian eingreifen, als ein Spieler über $20.000 verloren hatte und über manipulierte Spiele klagte. Ein Auszug aus Baloulians E-mail-Antwort lautet: "Sie mögen mit mir uneinig sein, aber gestatten Sie mir bitte, Ihre Definition von Unglück in Frage zu stellen." Nach einer minutiösen Darlegung von der Spielgeschichte des betroffenen Spielers konnte Baloulian feststellen, dass er durchschnittlich $10,20 pro Stunde in dem Casino ausgegeben hatte. "Betrachtet man Glücksspielen als Unterhaltung, die es ist, halte ich $10,20 pro Stunde für eine faire Bezahlung," so geht die Antwort weiter. "Betrachtet man es aber als eine Einkommenquelle, was sie durchaus sein kann, aber normalerweise nicht ist, dann ist es auf keinen Fall unterhaltend."

"Menschen sind für Verlieren prädisponiert", sagt Baloulian später. "Die Herausforderung ist, sie davon zu überzeugen, dass sie auf faire Weise verloren haben." Dieser Spieler scheint für die Rede empfänglich gewesen zu sein. Spätestens hat er sich wieder eingeloggt.

Die schiere Macht des Netzes, Spieler aufzuspüren und zu halten, ist einer der Gründe dafür, dass die Gegner von Online-Casinos sie verbieten wollen.

"Internet Glücksspielen gefährdet insgesamt Familie und Gesellschaft," sagt Leach. "Dem soll ein Ende gemacht werden." Um diese Bedrohung zu entschärfen, verwendet CON Casino, laut Anderson, jährlich mehr als $500.000 für Lobbyarbeit. Dazu hat er einen der führenden Machtmakler in Washington erworben, die Anwaltsfirma Akin Gump Strauss Hauer & Feld, um den Kongress und die Gesetzesgeber zu beeinflussen. Dan Spiegel, der dieser Kampagne bevorsteht, hebt die Vorteile einer regulierten Online-Spielindustrie hervor, wie zum Beispiel den Kundenschutz und die Steuereinkommen für schwer belastete Staatskassen. Dennoch sieht Spiegel einen harten Kampf vorher. "Dies ist eine der schwersten Aufgaben, die uns jemals im Auftrag gegeben wurde," sagt er.

Indes versucht Anderson fortwährend mittels eigener Geschäftsaktionen sich in seinem Punkt durchzusetzen. Als der Republikaner Michael Oxley, Ohio, die Online-Casinos des Geldwaschens für Terroristen beschuldigte, stellte Anderson einen ehemaligen Computerkriminalitätsexperten der FBI an, um interne Sicherheitsvorrichtungen zu entwickeln und um die Wachsamkeit des Personals zu schärfen. (Noch ist kein Online-Casino des Geldwaschens bezichtigt worden, obwohl die FBI bekräftigt, dass Ermittlungen in der Industrie stattfinden.) Er hat eine Untersuchungsmission von Prüfern und Regierungskritikern nach Gibraltar eingeladen, um alles von den Ernst & Young-geprüften Rechenschaftsberichten bis zu der PriceWaterhouseCooper-zertifizierten Auszahlungs-Ratio zu untersuchen. Er hat sich einem jungen Industrieverband namens eCommerce Online Gaming Regulation Assurance angeschlossen - nach den National Association of Securities Dealers modelliert, dem Überwachungsbeauftragten der Börse - der seinen Genehmigungssiegel nur an Betreiber gibt, die die lange Liste mit strengen Standards erfüllen. 888 Casino On Net ist das erste und bisher einzige Casino in der Gruppe.

Scheinbar ein einsamer Kreuzzug mit trüben Aussichten - aber Anderson kann sich aller Wahrscheinlichkeit nach bald eines größeren Sieges rühmen. Es wird erwartet, dass Großbritannien in wenigen Jahren Lizenzen an Online-Casinos vergeben werden und somit in einem durch und durch regulierten System ein Milieu für die blitzsauberen Unternehmen erschaffen, das sich über einen jeden Tadel erhebt. In aller Stille hat Anderson jahrelang für diesen Beschluss Lobbyismus im Parlament betrieben, und er hat in Bezug auf die Regulationsstruktur als Regierungsratgeber agiert. "Man muss die Sorgen der Opposition kennenlernen, um dann zu beweisen, dass sie unbegründet sind," sagt Anderson. "Man muss schrittweise ein Vertrauensverhältnis aufbauen."

Die Briten sind generell viel toleranter als die Amerikaner, was das Wetten betrifft, aber Anderson ist trotzdem der Meinung, dass er in seiner logischen, sorgfältigen Weise am Ende das Misstrauen beseitigen kann, selbst unter den machtvollen US-Politikern, die das Wetten für eine Sünde halten. Er weiß, dass Wetten nicht jedermanns Sache ist. Er selbst wettet nie. Aber ein Verbot ist moralisch viel fragwürdiger, glaubt er. "Es handelt sich um die freie Wahl, wie bei trinken oder rauchen," sagt er. "Eine Gesellschaft, wo der Kunde keine freie Wahl hat, sondern sich einordnen muss - das ist der Kommunismus." Und selbst wenn CON Casino und Anderson nicht gewinnen, werden andere Spieler ihre Plätze am Tisch nehmen. "Ein Markt lässt sich nicht niederhalten," sagt Anderson. "Die reaktionäre Haltung wird immer unterliegen." Das scheint zumindest eine ziemlich sichere Wette zu sein.

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